Jüdischer Weltkongress kritisiert europäische Regierungen

12. Dezember 2005, 18:00
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Kongressvorsitzender: "Die deutsche und europäische Selbstgerechtigkeit ist skandalös"

Berlin - Der Jüdische Weltkongress (JWC) hat die europäischen Regierungen in der Affäre um Geheimflüge und mutmaßliche Folterungen von Terrorverdächtigen durch CIA-Agenten scharf kritisiert. "Die deutsche und europäische Selbstgerechtigkeit ist skandalös", sagte der Vorsitzende des Kongresses, Rabbi Israel Singer aus New York, der "Berliner Zeitung". Deutschland sei noch nicht mit dem Problem konfrontiert worden. "Es kann aber auch hier geschehen. Wenn mitten in Berlin zwei Hochhäuser in die Luft gehen und 3.000 Menschen sterben, dann werdet auch ihr Deutschen anfangen nachzudenken."

Schutz der Bevölkerung

Singer sprach sich zwar gegen jede Form von Folter und Menschenrechtsverletzung aus. Sollten US-Geheimdienstler sich strafbar gemacht haben, müssten sie zur Rechenschaft gezogen werden. Er sagte aber auch, fast alles, was zum Schutz der Bevölkerung getan werde, sei gerecht. Eine Regierung habe die Pflicht, ihre Bevölkerung mit allen Mitteln gegen terroristische Bedrohungen zu schützen. "Regierungen sind nicht nur dazu da, bessere Sozialsysteme zu schaffen. Wenn es nur darum geht, dann können Sie Ihre Gesellschaft behalten. Dann ziehe ich in den Busch", sagte Singer. (APA/AP)

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