Gotovina-Festnahme: Proteste in Zagreb

10. Dezember 2005, 09:17
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Elf Personen inhaftiert - Zagrebs Polizeichef wegen Demonstration entlassen - Festgenommer wird nach Den Haag überstellt

Zagreb - Nach der Festnahme des mutmaßlichen Kriegsverbrechers Ante Gotovina haben hunderte Demonstranten in Kroatien gegen die Inhaftierung des Ex-Generals protestiert. Nach Polizeiangaben versammelten sich in der Hauptstadt Zagreb vor allem Extremisten und Kriegsveteranen. Die Polizei nahm elf Personen fest, nachdem Demonstranten Fensterscheiben am Regierungsgebäude eingeschlagen hatten. In einer Reaktion auf die Demonstration wurde der Polizeichef von Zagreb entlassen.

Die Demonstranten beschuldigten die Regierung des Verrates an einem "Nationalhelden". Auch aus einigen Städten an der Adria wurde von Sympathiekundgebungen für den als "Befreier von den serbischen Besatzern" gefeierten Gotovina berichtet. Weitere Proteste sind für dieses Wochenende angekündigt.

In einer am Freitag veröffentlichten Telefonumfrage verurteilten 47 Prozent der Befragten die Festnahme des Ex-Generals; nur 28 Prozent waren dafür, während 25 Prozent keine Meinung äußern wollten, schreibt die Zagreber Zeitung "Vecernji list".

Spontane Demonstration

Etwa 1.500 Personen hatten sich am Donnerstag Abend im Zentrum der kroatischen Hauptstadt Zagreb versammelt und gegen die Festnahme des kroatischen Generals Ante Gotovina protestiert. Sie schwenkten kroatischen Fahnen, hielten Photographien des festgenommenen General in die Höhe und skandierten Parolen gegen die kroatische Regierung.

Der Protest war offenbar spontan. Es wurden auch keine Reden gehalten. Die Demonstranten zogen vor das Regierungsgebäude in der Innenstadt, wo ein Demonstrationsverbot gilt. Dort kam es zu Rangeleien zwischen Polizisten und Kundgebungsteilnehmern. Die Polizei nahm elf Menschen fest.

Polizeichef entlassen

Wegen der Protestkundgebungen ist anschließend der Polizeichef der kroatischen Hauptstadt Zagreb entlassen worden. Innenminister Ivica Kirin habe Polizeichef Ivica Franic wegen "Versäumnissen bei der Aufrechterhaltung von Recht und Ordnung" von seinem Posten entbunden, meldete die Nachrichtenagentur Hina am Freitag unter Berufung auf das Ministerium.

Überstellung

Gotovina, der am Donnerstag auf der Kanareninsel Teneriffa festgenommen worden war, wurde in ein Gefängnis nahe Madrid gebracht und soll in den kommenden Tagen an das UNO-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag überstellt werden. Ihm werden die Tötung von 150 serbischen Zivilisten und andere Kriegsverbrechen während der kroatischen Offensive in von Serben kontrollierten Landesteilen im Sommer 1995 zur Last gelegt. Er war seit 2001 auf der Flucht. (APA/dpa)

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    Zagreb: Rund 1.500 gingen nach der Gotovina-Festnahme auf die Straße

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