Pröll am vorletzten Tag "optimistischer"

9. Dezember 2005, 16:23
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Positionspapier von kanadischem Vorsitz abgeändert - Pröll will kein Scheitern durch zu starre Positionierung provozieren

Montreal - Am vorletzten Tag der UN-Weltklimakonferenz im kanadischen Montreal war Österreichs Umweltminister Josef Pröll (V) wieder "optimistischer", dass das Treffen erfolgreich zu Ende gehen wird. Konkrete Klimaziele für die Post-Kyoto-Periode ab 2012 sind zwar nach wie vor nicht in Sicht, eine Einbindung der USA in künftige Maßnahmen scheint jedoch wieder ein Stück näher gerückt zu sein, nachdem der kanadische Vorsitz den Entwurf zum abschließenden Positionspapier abgeändert hat.

Der Grund für Prölls Zuversicht waren bilaterale Gespräche, die offenbar zwischen den USA und Kanada stattgefunden haben. Noch in der Nacht auf Donnerstag wurde daraufhin eine abgeänderten Version des vorläufigen Abschlusspapiers erarbeitet, dessen genauer Inhalt offiziell jedoch nicht vorgestellt wurde. Die britische Umweltministerin und derzeitige EU-Umweltratsvorsitzende Margaret Beckett sprach bei einer Pressekonferenz von einer "neuen Sprache" in dem Entwurf.

Keine neuen Ziele

Dass damit gemeint sei, dass die möglichen Anforderungen für zukünftige globale Klimamaßnahmen vorerst einmal weiter aufgeweicht wurden, wies Pröll vor österreichischen Journalisten zurück. Allerdings sei es primär das Ziel, alle am Verhandlungstisch zu behalten, statt durch zu starre Position ein Scheitern der Konferenz zu provozieren. Montreal werde keine neuen Ziele für die Klimareduktion bringen, "aber es wird uns auf den Weg zu Verhandlungen bringen", meinte der Minister.

Konflikte über die Post-Kyoto-Zusammenarbeit gebe es nach wie vor zwischen den Entwicklungsländern, die von den Industriestaaten klare Ziele einfordern würden und letzteren, die umgekehrt ein Bekenntnis zu einer künftigen Zusammenarbeit verlangen, so Pröll. Hier seien noch Kompromisse erforderlich. Künftig sollen neben dem größten Treibhausgasemittenten USA auch aufstrebende Entwicklungsländer wie China oder Indien in die Reduktion von Treibhausgasen eingebunden werden.

EU-Umweltkommissar Stavros Dimas erklärte, die Industriestaaten müssten die Führung für künftige Klimamaßnahmen übernehmen. "Entwickelte Länder sind kollektiv für die sukzessive Anreicherung von Treibhausgasen in der Atmosphäre verantwortlich." Er verwies darauf, dass die Maßnahmen der EU eine Reduktion bis zum Jahr 2010 um 9,3 Prozent verglichen mit 1990 möglich machen würden. Berechnungen für die USA würden im selben Zeitraum hingegen einen Zuwachs von über 30 Prozent prognostizieren.

Die UN-Klimakonferenz war am 29. November gestartet und soll am Freitag zu Ende gehen. Bei der Gesprächen trafen einander sowohl die 156 Kyoto-Länder, als auch die 189 Vertragsstaaten der UNO-Konvention zum globalen Klimawandel (UNFCCC). (APA)

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