Die Vorstandsfrage kann die Telekom noch teuer kommen

21. Dezember 2005, 15:00
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Die Personalvertreter im Aufsichtsrat sind das Zünglein an der Waage im Kampf um den Chefsessel - Ein ideales Druckmittel für die laufenden Gehaltsverhandlungen

Wien - Der schwelende Streit um die Vorstandsfrage könnte die Telekom Austria (TA) teuer kommen. Grund sind die Machtverhältnisse im Aufsichtsrat, die im Poker um die Zukunft von TA-Chef Heinz Sundt fast jedes Abstimmungsverhältnis zulassen - obwohl die Kapitalvertretermandate durch die Hauptversammlung im Mai um zwei aufgestockt wurden.

Die Palette der Möglichkeiten reicht von einer vorzeitigen Ablöse des Generaldirektors jetzt oder im Frühjahr 2006 über ein reguläres Auslaufen seines Vertrags im April 2007 bis zu einer Verlängerung. Letzteres ist nach derzeitigem Stand der Dinge zwar sehr unwahrscheinlich, das anhaltende Tauziehen macht Sundt aber abhängig von den TA-Personalvertretern.

Denn die sind bei einer Abstimmung das Zünglein an der Waage. Dann zum Beispiel, wenn sich sieben Kapitalvertreter gegen die drei im Einfluss von Minderheitsaktionär ÖIAG (25,2 Prozent) stehenden verbünden.

Nebenwirkungen zeitigt diese Schlüsselrolle bereits auf einer sehr profanen Ebene: den laufenden Gehaltsverhandlungen in Österreichs größtem Telekomkonzern. Die werden von Tag zu Tag teurer, denn die 15.000 Beschäftigten des Konzerns wollen sich angesichts der von 223 auf 370 Millionen Euro gestiegenen Gewinnaussichten nicht mit einer Abgeltung der Teuerung zufrieden geben.

"Die Industrie hat mit 3,1 Prozent abgeschlossen, der Handel mit 2,7 und die Post mit 2,75 Prozent. Warum sollen ausgerechnet wir darunter abschließen?", heißt es im TA-Betriebsrat. Unter 2,8 Prozent brauche man gar nicht verhandeln.

"Kein Zusammenhang"

Betriebsratschef Michael Kolek bestreitet jeglichen Zusammenhang zwischen Tarifrunde und Vorstandsfrage vehement und betont: "Uns ist vor allem die Anhebung der unteren Einkommen wichtig." Unvorteilhaft dürfte die Gleichzeitigkeit von KV-Verhandlungen und Tauziehen um die Vorstandsfrage freilich nicht sein, ist das Gegenüber auf der Arbeitgeberseite doch der für Personalangelegenheiten zuständige Sundt - im Poker um seinen Verbleib an der TA-Spitze doch auf die Unterstützung der Personalvertreter angewiesen. Vor diesem Hintergrund wird es die Staatsholding ÖIAG in den Aufsichtsratssitzungen am 12. und 13. Dezember wohl eher nicht auf eine Kampfabstimmung ankommen lassen.

Eine ähnliche Situation gab es bereits im Herbst 2004, damals ließen die TA-Kapitalvertreter die ÖIAG - und mit ihr Finanzminister Karl-Heinz Grasser - abblitzen, und als Kompromiss wurde dann Sundts Mandat um zwei Jahre verlängert.

Auf die noble Zurückhaltung, die sein "Ziehsohn" und präsumtiver Nachfolger Boris Nemsic bisher an den Tag gelegt hatte, wird Sundt übrigens nicht mehr zählen können. Der Mobilkom-Chef hatte eine vorzeitige Ablöse des mit allen Mitteln um seinen Verbleib kämpfenden Sundt bisher stets abgelehnt und bei den Kapitalvertretern für eine vertragskonformen Führungswechsel im Frühjahr 2007 votiert.

Damit ist es nun vorbei. Seit TA-Mitarbeiter lancierten, Nemsic könne sich allenfalls auch einen Verkauf der Mobilkom vorstellen, herrscht dicke Luft - und die TA könnte rascher ein regionaler Mobilfunkbetreiber mit angeschlossenem Inlandsfestnetz werden als bisher angenommen. (Luise Ungerboeck, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 09.12.2005)

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