Passagier von Air-Marshall erschossen

12. Dezember 2005, 15:38
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Psychisch Kranker drohte mit Bombe

Miami/Washington - Am Flughafen von Miami wurde am Mittwoch ein Passagier erschossen, der damit gedroht hatte, eine Bombe bei sich zu haben. Der 44-jährige US-Bürger Rigoberto A. sei mit einer Maschine der American Airlines aus Kolumbien angekommen und plötzlich mit seinem Handgepäck weggelaufen, gaben die Behörden am Donnerstag bekannt. Daraufhin habe ein bewaffneter Flugbegleiter, ein so genannter Air-Marshall, das Feuer eröffnet.

Es war das erste Mal seit der Verschärfung der Sicherheitsmaßnahmen nach den Anschlägen vom 11. September 2001, dass einer der Spezialbeamten einen tödlichen Schuss abgab.

Der Vorfall ereignete sich nach der Landung der Maschine, die sich auf dem Weg nach Orlando in Florida nur zu einem Zwischenstopp in Miami aufhielt. Die Schüsse fielen im Verbindungsgang zwischen dem Flugzeug und dem Flughafengebäude. Nach Angaben des US-Nachrichtensenders CNN wurde bei dem Mann keine Bombe gefunden. Zur Sicherheit wurde die Tasche des Verdächtigen kontrolliert zur Detonation gebracht.

Der erschossene Passagier dürfte an einer psychischen Erkrankung gelitten haben. Zeugen gaben an, dass eine Frau dem davonlaufenden Mann hinterhergelaufen sei und gerufen habe, dass dies ihr Ehemann sei, der an Depressionen leide und er seine Medikamente nicht eingenommen habe.

Der Sprecher der Sicherheitsbehörde am Flughafen von Miami, Brian Doyle, verteidigte den Air-Marshall. Die Schüsse seien eine "angemessene Maßnahme" gewesen. Der Beamte habe die Bombendrohung ernst nehmen müssen.

Trotz der erhöhten Sicherheitsstufe in der Luftfahrt hatten die USA erst vor Kurzem die Kontrollmaßnahmen für Flugpassagiere entschärft. Auf Empfehlung des neuen Chefs der Verkehrssicherheitsbehörde TSA, Edmund Hawley, fiel das Verbot zur Mitnahme von Scheren, Rasierklingen, Nagelfeilen und Messern unter 12,7 Zentimetern im Handgepäck. Hawley setzte sich auch dafür ein, dass von Reisenden nicht mehr verlangt werden solle, Schuhe bei den Kontrollen auszuziehen.

Nicht alle Sicherheitsexperten befürworten die Entschärfung. Douglas R. Laird, der frühere Sicherheitschef von Northwest Airlines, kritisierte, dass die Erleichterung für Flugpassagiere "ein Schritt zurück" seien. Die TSA ist eine Behörde des US-Heimatschutzministeriums und wurde als Reaktion auf die Terroranschläge in New York und Washington geschaffen. Zuvor hatten ausschließlich Privatfirmen Flughäfen kontrolliert. (APA, Reuters, simo/DER STANDARD, Printausgabe, 9.12.2005)

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