Villepin auf Distanz zu "Kolonial-Gesetz"

16. Dezember 2005, 07:58
posten

Premier: "Nicht Sache der Politik, Geschichte zu schreiben" - Proteste aus Algerien und französischen Übersee-Gebieten

Paris - Der französische Premierminister Dominique de Villepin ist zu einem umstrittenen Gesetz auf Distanz gegangen, das die "positive Rolle" Frankreichs während der Kolonialzeit hervorhebt. "Es ist nicht Sache der Politik oder des Parlaments, Geschichte zu schreiben oder die Erinnerung vorzugeben", sagte Villepin im Radiosender France Inter am Donnerstag. "Es gibt in Frankreich keine offizielle Geschichte."

Proteste

Anlass für die Äußerung sind Proteste in Algerien und französischen Übersee-Gebieten gegen ein Gesetz, das von Lehrern fordert, "die positive Rolle der französischen Übersee-Präsenz, insbesondere in Nordafrika" herauszustellen.

Frankreich müsse "unserer Geschichte ins Gesicht sehen", forderte Villepin, "das gilt vor allem für die störenden Fragen." Innenminister Nicolas Sarkozy hatte wegen angekündigter Demonstrationen gegen das im Februar mit den Stimmen der Regierungspartei UMP verabschiedete Gesetz am Mittwoch eine Reise in die französischen Übersee-Territorien Martinique und Guadeloupe kurzfristig abgesagt.

Villepin äußerte sich am Donnerstag nicht zu der Frage, ob die umstrittene Passage gestrichen werden soll, wie das von der sozialistischen Opposition verlangt wird. Der Regierungschef verwies lediglich darauf, dass es an der Schulaufsicht liege, Lehrpläne zu erstellen. Die Lehrer seien in deren Rahmen bei der Gestaltung des Unterrichts frei. (APA/AFP)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Dominique de Villepin möchte "störenden Fragen" der französischen Geschichte ins Gesicht sehen.

Share if you care.