Gold und Weltrekord für Rogan

25. Juli 2006, 14:53
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Bestmarke des US-Amerikaners Peirsol über 200 m Rücken um 0,09 Sekunden verbessert - Jukic über 50 m Brust Achte

Triest - Schwimm-Österreich hat erstmals seit 93 Jahren einen Weltrekordler. Markus Rogan kam am Donnerstag auf dem bisherigen Höhepunkt seiner Karriere an, indem er die bisherige Weltbestleistung des US-Amerikaners Aaron Peirsol über 200 m Rücken um 9/100 Sekunden unterbot. 1:50,43 Minuten lautet die historische Zeit, die in die Annalen des österreichischen Schwimmsports eingehen wird.

Duell mit Arkadij Wjatschanin

Es war ein Rennen nach dem Geschmack von Markus Rogan. Nicht weil er es so dominiert hat, sondern weil er bis aufs Letzte gefordert wurde. Der Russe Arkadij Wjatschanin setzte dem Wiener so sehr zu, dass der Sieg des OSV-Stars beinahe bis zum letzten Armzug in Frage gestanden war. Schließlich war der 21-jährige Hauptkonkurrent Rogans um nur 34/100 langsamer als der Österreicher und blieb nur eine Zehntel über dem bisherigen Europarekord.

Diesen hält nun natürlich weiter Rogan, und der 23-Jährige musste hart dafür arbeiten. Von Anfang an ging Wjatschanin mit dem Titelverteidiger mit und lag bei Halbzeit nur eine einzige Hundertstelsekunde zurück. "Ich habe ihn total unterschätzt. Als er mit mir gleich auf war, habe ich gedacht, wir sind viel zu langsam unterwegs. Ich dachte an 1:51 hoch. Aber das habe ich gebraucht, er hat mich einfach gepusht", erklärte Rogan in einer ersten Stellungnahme.

Unglaubliche dritte Länge

Nach 100 Metern schienen die Weltrekordträume des SV-Schwechat-Athleten nach dem Rennen in Berlin am vergangenen 23. Jänner ein zweites Mal verpufft, doch seine dritten 50 Meter waren unglaublich. 82 Hundertstel nahm Rogan im Fernduell Peirsol im dritten Viertel des Finales ab und lag plötzlich 3/100 unter der Weltrekord-Durchgangszeit.

Diesen Vorsprung verdreifachte er bis zum Anschlag noch und schrieb sich somit als erster Schwimm-Weltrekordler der Neuzeit in Österreichs Sport-Geschichtsbücher ein. Als bis dahin letzter Österreicher hatte Josef Selmeczy 1912 in Wien über 400 m Rücken eine Weltbestmarke markiert.

Medaillenhamster

Es ist Rogans fünfte Gold-Medaille nach je zwei bei den beiden Europameisterschaften im Vorjahr. Auf der Langbahn in Madrid wie auch auf der Kurzbahn in Wien war er jeweils über 200 m Rücken und 200 m Lagen erfolgreich geblieben. Dazu kommen in erster Linie die beiden Olympia-Silbernen in Athen 2004 sowie die beiden Vize-Weltmeistertitel über 200 m Rücken 2001 und 2005 als größte Erfolge.

Saison-Bestzeit für Jukic

Der EM-Final-Einzug von Mirna Jukic ist im Trubel um Weltrekordler Markus Rogan total unter gegangen. Doch auch wenn es nur Platz acht wurde, für ihre Hauptstrecken bei den Titelkämpfen in Triest war Jukic' Leistung im Brust-Sprint ein gelungener Test. In 31,61 Sekunden kam die 19-Jährige auf eine Saison-Bestzeit und war danach für die am Freitag angesetzten 200 m Brust sicherer und zuversichtlicher als zuvor.

Als Abstieg im Vergleich zum vierten Platz auf dieser Strecke im Vorjahr in Wien ist die 50-m-Leistung nicht zu sehen, denn die Prioritäten lagen diesmal vor ausländischem Publikum nicht auf dem Erreichen der Medaillenränge. "Ich habe im Finale für die 200 m schon längere Züge gemacht, daher bin ich zufrieden", erläuterte die Studentin die Taktik. Auch der Brust-Part auf dem Weg zu Platz zwölf über 200 m Lagen am Vormittag stimmte zuversichtlich.

Trainer-Vater Zeljko Jukic hatte seine Tochter nach dem Endlauf dennoch noch vor der Mixed-Zone abgefangen und ein Technik-Training dem Small-Talk mit den Journalisten vorgezogen. Für den Vorlauf über 200 m Brust hat sich die Langbahn-Europameisterin nach den Donnerstag-Eindrücken eine 2:24-er-Zeit vorgenommen, was Saison-Bestzeit bedeuten würde. Für einen Medaillen-Gewinn wird im Finale aber eine noch bessere Zeit notwendig sein.

Trotz toller Leistung am Endlauf vorbei geschrammt ist Nina Dittrich. Die erst 15-Jährige verbesserte über 200 m Delfin in 2:10,58 Minuten ihre vor knapp zwei Wochen beim Ströck-Qualifying in Wien fixierte Bestmarke um gleich 3,87 Sekunden (!) und verpasste als Gesamt-Zehnte den EM-Endlauf nur um elf Hundertstel. Auf den OSV-Rekord von Petra Zahrl fehlen ihr nur noch 1,29 Sekunden.

Maxim Podoprigora schied über 100 m Brust in 1:01,22 Minuten als 28. aus, blieb 32 Hundertstel über dem WM-Limit. (APA/red)

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    Erster Schwimm-Weltrekord für einen Österreicher seit Josef Selmeczy 1912.

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