Erneute Lehrstunde für Rapid

16. Dezember 2005, 10:58
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Nach starker Anfangs­phase 1:3 gegen Juventus - Italiener schlugen innerhalb von nur zehn Minuten gleich dreimal zu - Rapid verabschiedet sich damit ohne Punkt aus CL

Wien - Mit einer symptomatischen 1:3-(0:3)-Heimniederlage gegen den italienischen Fußball-Rekordmeister Juventus Turin ist die Champions-League-Gruppenphase am Mittwoch für den SK Rapid zu Ende gegangen. Der österreichische Meister kassierte vor 46.000 im Ernst Happel-Stadion auch im sechsten Gruppenspiel eine relativ deutliche Niederlage, obwohl er abgesehen von einer Schwächephase Ende der ersten Hälfte gut mitgespielt hatte.

Kalte Dusche vor der Pause

Ausgerechnet in der stärksten Phase der Wiener hatte Kapitän Del Piero Juventus per Freistoß in Führung geschossen (35.), ehe Ibrahimovic (41.) und abermals Del Piero (45.) noch vor der Pause für die Entscheidung und auch dafür sorgten, dass sich Rapid als einziges von 32 Teams in der Saison 2005/06 ohne einen einzigen Punktegewinn aus der Königsklasse verabschiedete. Daran änderte auch der Rapid-Ehrentreffer durch Kincl (52.) nichts. In der Geschichte der Champions League waren bis dahin nur vier Teams mit sechs Niederlagen in sechs Gruppenspielen ausgeschieden.

Dabei hatte auch Rapid nach einem anfänglichen Abtasten gegen eine teils lustlos wirkende und nicht mit allen Stars angetretene Juve-Elf (Buffon, Nedved, Emerson nicht im Kader; Trezeguet, Cannavaro, Zambrotta auf der Bank) engagiert begonnen. Freistößen von Ivanschitz (26./Juve-Goalie Abbiati hält) und Hofmann (28./in die Mauer) folgte die größte Chance der ersten Spielhälfte, als Ivanschitz mit einem starken Kopfball nach Kincl-Flanke in Abbiati seinen Meister fand.

Fauxpas von Payer

Praktisch im Gegenzug folgte die kalte Dusche für Rapid, nachdem der Gruppensieger bis dahin lediglich ein Mal in Form von Vieira (8.) gefährlich vor Rapid-Goalie Payer aufgetaucht war: Del Piero traf mit einem gefinkelten Freistoß aus über 30 Metern, der seine Flugbahn ohne abgefälscht zu werden mit viel Effet genau ins von Payer bereits verlassene Tormanneck änderte. Rapid reagierte wie gelähmt, öffnete der "Alten Dame" in den zehn Minuten bis zur Pause höflich Tür und Tor.

Erst ermöglichte es ein Stellungsfehler der Rapid-Innenverteidigung in Form von Martin Hiden und Valachovic dem enteilten Ibrahimovic, von der Strafraumgrenze ungehindert einzuschießen, ehe Hiden dem Schweden einen missglückten Abschlag vor die Beine servierte. Den ebenso missglückten Ibrahimovic-Schuss verwertete Del Piero aus kurzer Distanz zu seinem zweiten Treffer. Schon in der Champions-League-Saison 1996 hatte der italienische Teamspieler beim 5:0-Heimsieg zwei Mal gegen Rapid getroffen.

Übermächtiger Gegner schon vor dem Spiel

In Wien hatten die Turiner, die vor dem Spiel von Rapid-Coach Josef Hickersberger als "eine der drei, vier besten Mannschaften auf diesem Planeten" angekündigt worden waren, damit bereits zur Pause ihren fünften Sieg im sechsten Gruppenspiel in der Tasche - ohne sich eine einzige Möglichkeit selbst erspielt zu haben. Doch Rapid-Trainer Josef Hickersberger, der vor dem Spiel gemeinsam mit seinem Assistenten Peter Persidis offiziell zum ÖFB verabschiedet wurde, verlangte von seiner Mannschaft zur Pause, ein Debakel zu verhindern.

Seine Schützlinge zeigten daraufhin Moral und wurden durch Kincl dafür belohnt. Der Tscheche besorgte nicht nur das erste Heimtor von Rapid in der Champions League, sondern etwas zufällig auch sein zweites im laufenden Bewerb. Nach einer schwachen Abwehr von Juve-Mittelfeldmann Blasi und einer Hlinka-Kopfballvorarbeit traf Kincl sicher ins lange Eck. Rapid setzte nach, kam durch Akagündüz (57.) und einen abgefälschten Hofmann-Freistoß (64.) zu weiteren guten Möglichkeiten.

Hand-Elfmeter vorenthalten

Bei Letzterem hätte man auf Grund eines Handspiels von Vieira sogar auf Elfmeter für Rapid entscheiden können. Es kam aber anders und Rapid kassierte nach einer mit Ausnahme von zwei Chancen für den eingewechselten Kienast (91./Schuss, 93./Kopfball) unspektakulären Schlussphase seine neunte Champions-League-Niederlage in Folge, rechnet man jene von 1996 dazu. Nach zwölf Partien in der Eliteliga warteten die Wiener damit bei lediglich zwei Remis weiterhin auf ihren ersten vollen Erfolg. (APA)

  • SK Rapid Wien - Juventus Turin 1:3 (0:3). Ernst Happel-Stadion, 46.000 Zuschauer, SR Jaroslav Jara (Tschechien).

    Torfolge:
    0:1 (35.) Del Piero (Freistoß)
    0:2 (41.) Ibrahimovic
    0:3 (45.) Del Piero
    1:3 (52.) Kincl

    Rapid: Payer - Dober, Martin Hiden, Valachovic, Katzer - Korsos (81. Martinez), Hofmann, Hlinka, A. Ivanschitz - Kincl, Akagündüz (86. Kienast)

    Juventus: Abbiati - Balzaretti, R. Kovac, Thuram, Chiellini - Camoranesi (78. Giannichedda), Blasi, Vieira, Mutu (61. Pessotto) - Del Piero, Ibrahimovic (46. Zalayeta)

    Gelbe Karten: keine bzw. Thuram, Camoranesi

    • Bild nicht mehr verfügbar

      Auch zum Abschluss hatten die Rapidler praktisch kein Leiberl.

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