Was wird aus der "Galerie der Forschung"?

7. Dezember 2005, 17:28
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Konzept von Akademie der Wissenschaften abgelehnt - Präsident Mang: Betrifft nur Business-Plan

Wien - Die von der Akademie der Wissenschaften (ÖAW) geplante "Galerie der Forschung" blickt einer ungewissen Zukunft entgegen. Wie "ORF-On Science" unter Berufung auf einen Bericht des "Universum Magazins" am Mittwoch berichtet, wurde das von der Galerie-Direktorin Albena Yaneva vorgelegte Konzept wegen der darin vorgeschlagenen inhaltlichen Konzeption, Finanzierung und Rechtsform von der ÖAW abgelehnt, die befristeten Verträge von sieben Mitarbeitern werden nicht verlängert. Damit steht nicht nur die für Oktober 2006 geplante Eröffnung der Begegnungsstätte von Wissenschaft und Öffentlichkeit, sondern die gesamte Zukunft der Einrichtung in den Sternen.

1996 hatte der damalige ÖAW-Präsident Werner Welzig die Idee einer "Galerie der Forschung" vorgebracht. Durch die Präsentation wissenschaftlicher Leistungen von einst und heute sollte sie "öffentliches Bewusstsein von der lebensgestaltenden Kraft forscherlicher Neugier schaffen", so Welzig damals. Auch nach seinem Ausscheiden als Akademie-Präsident betreute Welzig sein "Kind" als Koordinator weiter, ehe er im September dieses Jahres diese Aufgabe zurücklegte.

Vorgeschichte

Das in der denkmalgeschützten Alten Aula der Alten Wiener Universität zwischen Bäckerstraße und Wollzeile in Wien-Innere Stadt geplante Projekt stand von Anfang an unter keinem guten Stern. Eine in dem Haus vorgesehene große Ausstellung zum 150-jährigen Bestandsjubiläum der Akademie wurde wegen Budgetproblemen abgesagt. Welzig selbst sprach einmal unter Hinweis auf administrative Schwierigkeiten und Umplanungen bei der Galerie, deren Eröffnungsdatum immer wieder hinausgeschoben wurde, rückblickend von "Leidensjahren". 2004 wurde schließlich nach einer internationalen Ausschreibung die 32-jährige Soziologin Albena Yaneva zur Programmdirektorin der - inzwischen auch von der Regierung abgesegneten - Galerie bestellt.

Ihr Konzept, das sie im Sommer 2005 abgeliefert hat, sei "inhaltlich, wirtschaftlich und rechtlich nicht tragbar gewesen", bestätigte eine Sprecherin der Akademie den Bericht. Die Idee der Galerie, "die Revitalisierung eines alten Hauses als Zentrum für die Begegnung von Wissenschaft und Öffentlichkeit" sei dadurch aber nicht tot. Denn die bauliche Sanierung des Gebäudes - um elf Mio. Euro wurden insgesamt 3.200 Quadratmeter renoviert - werde im ersten Quartal 2006 fertig gestellt. Nun müsse man an einem neuen Nutzungskonzept arbeiten und auch Verhandlungen mit potenziellen Mitnutzern aufnehmen. Yaneva sei eingeladen, an diesem neuen Konzept mitzuarbeiten. "Dass in dem Gebäude etwas im Sinne der Gründungsidee entstehen wird, daran gibt es keinen Zweifel", hieß es seitens der Akademie.

Reaktion Mangs

"Die Idee der 'Galerie der Forschung' bleibt aufrecht, was nicht akzeptiert wurde, war nur der vorgelegte Businessplan", erklärte der Präsident der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW), Herbert Mang. Vor dem Vorliegen dieses Businessplans habe man nichts über die zu erwartenden Gesamtkosten gewusst. Erst dann habe sich gezeigt, dass "die Akademie die notwendigen Summen für eine Alleinbespielung der Einrichtung nicht aufbringen kann", sagte Mang.

Alleine die Mietkosten des in Besitz der Bundesimmobiliengesellschaft (BIG) befindlichen Gebäudes würden bei rund 380.000 Euro pro Jahr liegen. Dazu kämen Gehälter in Höhe von rund 500.000 Euro - "und da ist noch kein einziger Event dabei". "Auf dieser Basis hätte die ÖAW einen permanenten Kampf um Mittel führen müssen oder diese Summen aus dem Budget für die Akademie-Institute aufbringen müssen", so Mang. Deshalb wolle die Akademie nicht der alleinige Nutzer einer Einrichtung sein, die sich sich nicht leisten könne.

Die Grundidee der Galerie, ein Begegnungsort von Wissenschaft und Öffentlichkeit zu sein, sei aber "zeitlos gültig". Deshalb bemühe man sich nun, potenzielle Nutzer des Gebäudes zu interessieren. Wobei Mang davon ausgeht, dass dies keine großen Schwierigkeiten machen werde, man sei bereits in konkreten Gesprächen. "Was nicht passieren wird ist, dass wertvolle Flächen nicht dem Gründungsgedanken zweckentsprechend verwendet werden", so der Akademie-Chef. (APA)

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