Prügeleiaffaire um FPÖ-Politiker: Sechs Monate bedingte Haft für Niederländer

9. Dezember 2005, 15:20
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Karl Schnell wurde bei Streiterei am Auge verletzt - mit einer spritzenden Scheibenwischanlage begann alles

Salzburg - Ein gerichtliches Nachspiel hatte die Faustattacke eines Niederländers gegen den Salzburger FPÖ-Landeschef Karl Schnell am 20. Februar 2005 in Saalbach-Hinterglemm. Der Politiker wurde dabei am rechten Auge schwer verletzt und musste mehrmals operiert werden. Der Beschuldigte bekannte sich schuldig, blieb der Verhandlung wegen schwerer Körperverletzung aber fern. Er ließ über seinen Verteidiger Bernhard Kettl ausrichten, dass er sich damals "im äußersten Erregungszustand" befunden habe und ihm die Attacke jetzt sehr Leid tue. Sechs Monate bedingte Haft, so lautete das Urteil gegen den 41-jährigen Niederländer. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.

Richter Wilhelm Longitsch sprach dem FPÖ-Politiker einen Anspruch auf Teilschmerzensgeld in der Höhe von 10.000 Euro zu. "Wenn ich das Geld bekomme, kaufe ich mir erst einmal eine neue Gleitsichtbrille.

Streit

Der Ausgangspunkt des Streites dürfte die Scheibenwischanlage von Schnells Wagen gewesen sein, die angeblich drei niederländische Touristen vor dem Hotel seiner Ehefrau bespritzt hatte. Während eines Wortgefechtes soll eine 19-jährige Holländerin dem Politiker ein Ohrläppchen eingerissen haben, worauf Schnell laut Zeugenaussagen der jungen Frau ins Gesicht und in den Bauch geschlagen haben soll. Dies sei auch der Grund gewesen, warum Anton J., der Bekannte der 19-Jährigen, dem Politiker einen Faustschlag verpasst hatte.

Verletzung verheilt

Die Brille des Freiheitlichen zerbrach und verletzte das Auge. Der Pinzgauer erlitt eine Hornhautperforation, weiters einen Einriss der Iris und eine Vernarbung der Hornhaut. "Die Verletzung ist verheilt, Restschäden sind aber geblieben. Die Sehleistung des rechten Auges ist schwächer geworden. Aber ich bin glücklich, dass ich nach der ärztlichen Meisterleistung wieder mit dem Hubschrauber fliegen kann", sagte Schnell, der einen Berufspilotenschein besitzt, kurz vor Beginn des Prozesses.

Auch gegen den Politiker selbst hatte die Staatsanwaltschaft Salzburg wegen des Verdachts der Körperverletzung ermittelt. Das Verfahren wurde Anfang August im Zweifel eingestellt, weil bei der 19-jährigen Niederländerin keine Verletzungen diagnostiziert werden konnten. Gegen weitere zwei Touristen wurden die Ermittlungen ebenfalls eingestellt. Eine Beteiligung an der Rauferei konnte nicht nachgewiesen werden. Und das Verfahren gegen die Urlauberin wurde an das Bezirksgericht Saalfelden abgetreten.(APA)

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    Karl Schnell

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