"Die Zeit": Deutsche Beamte bei Verhören in Guantánamo

9. Dezember 2005, 08:59
14 Postings

Anwalt: "Sensible Akten über dunkle Kanäle über den Großen Teich geschickt"

Hamburg - Der Anwalt des seit vier Jahren im US-Gefangenenlager Guantánamo ohne Anklage festgesetzten Bremers Murat Kurnaz sieht nach einem Bericht der Hamburger Wochenzeitung "Die Zeit" deutsche Geheimdienste in den Fall seines Mandanten verstrickt. Er vermute, deutsche Geheimdienste hätten "sensible Akten über dunkle Kanäle einfach über den Großen Teich" nach Guantánamo geschickt, sagte Rechtsanwalt Bernhard Docke der Zeitung.

Er habe Informationen, wonach deutsche Beamte in dem US-Lager auf Kuba bei Verhören erschienen seien. Docke meinte weiter: "Es war für mich überraschend, welche Aktenkenntnis die Militärs in Guantánamo über die Ermittlungen der deutschen Beamten in Bremen hatten." Offiziell seien keine Akten nach Guantánamo gegangen.

Docke hatte nach eigenen Angaben bereits im Jahr 2003 an den deutschen Bundesnachrichtendienst geschrieben und um Aufklärung in der Sache gebeten. Ein Nachrichtendienstler versicherte zwar in einem Schreiben, datiert vom 12. Dezember 2003, er könne die Besorgnis der Familie nachempfinden", sei aber zur Geheimhaltung verpflichtet. Nur der damalige Chef des Berliner Bundeskanzleramtes, der jetzige Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD), dürfe "unterrichtet" werden. (APA/dpa)

Share if you care.