EM.TV: Erste Schadenersatzklage wegen Verjährung abgewiesen

16. Dezember 2005, 14:45
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Urteil erneuter Rückschlag für EM.TV-Aktionäre, die sich Hoffnungen auf Schadenersatz für ihre Verluste gemacht hatten

Eine Aktionärsklage gegen das Medienunternehmen EM.TV ist nach Firmenangaben erstmals an der Frage der Verjährung gescheitert. Mögliche Schadenersatzansprüche eines ehemaligen Aktionärs seien nach einem Urteil des Amtsgerichts München spätestens im Oktober 2004 verjährt gewesen, teilte EM.TV am Mittwoch mit.

Der Kläger habe nach Erkenntnis der Richter sowohl von der Korrektur der als unkorrekt erachteten Halbjahreszahlen im Oktober 2000 als auch von der Anklageerhebung gegen die früheren GM-Vorstände Thomas und Florian Haffa im Oktober 2001 gewusst. Ansprüche auf Schadenersatz können in der Regel drei Jahre nach der Kenntnis des Klägers vom Schadens oder von dem Schuldigen geltend gemacht werden.

Erneuter Rückschlag

Das Urteil ist ein erneuter Rückschlag für EM.TV-Aktionäre, die sich nach einem Grundsatzurteil des deutschen Bundesgerichtshofs (BGH) Hoffnungen auf Schadenersatz für ihre Verluste gemacht hatten. Sie müssen jedoch nachweisen, dass sie Aktien gekauft oder nicht verkauft haben, weil das Unternehmen falsche Zahlen publiziert hat. Das erweist sich in der Praxis als schwierig. Nach Angaben von EM.TV wurden 100 einschlägige Klagen gegen das Unternehmen eingereicht. Alle Urteile seien bisher zu Gunsten der Gesellschaft ausgefallen, 40 davon seien bereits rechtskräftig.

Erst Anfang November hatte das Oberlandesgericht München die Klagen mehrerer Aktionäre gegen das Medienunternehmen abgewiesen. EM.TV war einst Star am Neuen Markt und hatte mit einem rasant steigenden Aktienkurs viele Kleinanleger angezogen. Das Unternehmen übernahm sich jedoch bei seinem Expansionskurs. Aus ehrgeizigen Gewinnprognosen wurden am Ende tief rote Zahlen. Die Haffas wurden im Dezember 2004 vom BGH wegen "unrichtiger Darstellung der Unternehmensverhältnisse" zu Geldstrafen verurteilt. (APA/Reuters)

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