OeNB: Mehr Kredite, weniger Spareinlagen

21. Dezember 2005, 14:55
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Weiter Boom bei Fremdwährungskrediten - Bilanzsumme der österreichischen Kreditinstitute erstmals über 700-Milliarden-Schwelle

Wien - Die Banken in Österreich haben in den ersten neun Monaten 2005 ihre Geschäfte auch im Inland neuerlich ausgeweitet. Nach Mitteilung der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) ist die Kreditnachfrage wieder leicht angestiegen - dabei gab es neuerlich einen markanten Anstieg bei den Fremdwährungsausleihungen. Leicht rückläufig waren die klassischen Spareinlagen.

Der Marktanteil der zehn größten Banken stieg im Jahr 2005 leicht um 0,7 Prozentpunkte auf ein Niveau von 54,8 Prozent.

Bilanzsumme der Banken über 700 Milliarden Euro

Das anhaltende Bilanzsummenwachstum (unkonsolidiert) gipfelte laut Notenbank-Statistik Ende September 2005 in einem Volumensstand von 713,77 Mrd. Euro, die Bilanzen sprengten damit erstmals zum Ende eines Quartals die 700-Milliarden-Grenze. Im Jahresverlauf bis Ende September 2005 wuchs die kumulierte Bankbilanz in Österreich um 9,3 Prozent bzw. 61,01 Mrd. Euro (Vorjahresvergleich: plus 7,4 Prozent bzw. 44,91 Mrd. Euro).

Geboomt hat wieder das von Österreich aus betriebene Auslandsgeschäft: Die Anteile des Auslandsgeschäfts gemessen an der Bilanzsumme lagen per September auf der Aktivseite bei 33,8 Prozent und auf der Passivseite bei 32,1 Prozent.

Das Kreditgeschäft hat insgesamt wieder leicht angezogen: Bei der Kreditnachfrage wurde seit Dezember 2004 ein 3,3-iger Zuwachs gemeldet, womit sich der Stand an Ausleihungen auf 259,96 Mrd. Euro belief führte. Sowohl Euro- als auch Fremdwährungskredite verzeichneten gegenüber Dezember 2004 einen Zuwachs.

Hoher Zuwachs bei Fremdwährungskrediten

Während die Eurokredite um 2,6 Prozent zulegten, war bei den Fremdwährungsausleihungen ein "markanter" Anstieg im Ausmaß von 6,6 Prozent festzustellen. Der Fremdwährungsanteil an den gesamten Ausleihungen stieg dadurch auf 19,6 Prozent (plus 0,6 Prozentpunkte).

Der Großteil der Euro-Kredite (71 Prozent) entfällt auf Summen von jeweils bis zu 10.000 Euro. Ein durchschnittlicher Eurokredit belief sich auf rund 34.500 Euro.

Bei den Fremdwährungskrediten wurden die relativ meisten Kredite (34 Prozent) im Segment zwischen 100.000 und 500.000 Euro aufgenommen. Im Durchschnitt lautete ein Fremdwährungskredit auf rund 138.000 Euro.

Spareinlagen gingen zurück

Bei den Einlagen, die insgesamt seit Beginn 2005 leicht um 5,53 Mrd. Euro (plus 2,6 Prozent) auf 216,24 Mrd. Euro wuchsen, gab es massivere Zunahmen vor allem bei den Sichteinlagen (plus 5,05 Mrd. Euro bzw. 9,5 Prozent).

Die Spareinlagen wiesen einen marginalen Rückgang von 0,2 Prozent auf. Die Termineinlagen legten um 3,3 Prozent zu.

Ende September 2005 erreichten die einzelnen Einlagekategorien Stände von 58,39 Mrd. Euro (Sichteinlagen), 22,14 Mrd. Euro (Termineinlagen) bzw. 135,72 Mrd. Euro (Spareinlagen).

Capital ratio auf 14,4 Prozent gesunken

Der Eigenmittelstand erhöhte sich im Vergleich zum Ultimo 2004 um 6,5 Prozent auf 50,9 Mrd. Euro.

Mit 34,51 Mrd. Euro entfielen rund zwei Drittel der Eigenmittel auf das Kernkapital. Die unkonsolidierte Eigenmittelausstattung in Prozent der Bemessungsgrundlage (capital ratio) fiel von 14,6 Prozent Ende 2004 auf 14,4 Prozent. Zum Vergleich: Die Mindestausstattung liegt laut Bankwesengesetz bei 8 Prozent. (APA)

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