Gift-Skandal in China: Vize-Bürgermeister von Jilin tot aufgefunden

13. Dezember 2005, 09:04
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War in Vertuschung von Verseuchung des Trinkwassers für Millionenstadt verwickelt - zehn Tage schwiegen Behörden

Peking - Ein hoher chinesischer Politiker, der das Ausmaß der Umweltkatastrophe in Nordostchina vertuscht hatte, ist tot in seinem Haus gefunden worden. Die Polizei bestätigte am Mittwoch den Tod des für Umwelt und Produktionssicherheit verantwortlichen Vizebürgermeisters der Provinzhauptstadt Jilin, Wang Wei. Die Todesursache wurde nicht genannt. Es wurde über Selbstmord spekuliert.Wang Wei soll sich erhängt haben, hieß es in Medienberichten in Hongkong.

Schwere Strafen

Die Zeitung "Ta Kung Pao" sprach von einer "sehr heiklen Zeit". Der Leiter der Kommission und Werksschutz-Minister, Li Yizhong, kündigte "schwere Strafen" wegen der Vertuschung des Unglücks an.

Als Vizebürgermeister war Wang Wei für den Umweltschutz zuständig. Nach der schweren Explosion in der Chemiefabrik am 13. November hatte er zunächst die Auswirkungen heruntergespielt. Obwohl der Fluss Songhua bereits mit hundert Tonnen Benzol verseucht war, sprach er von einer geringen Belastung für die Umwelt.

Zehn Tage lang schwiegen die Behörden. Später musste in der Millionenstadt Harbin tagelang das Wasser abgedreht werden. Inzwischen treibt der Benzol-verseuchte Schlamm auf die Mündung zum Amur-Fluss zu, der die Grenze zwischen China und Russland bildet.

Schnelle Gegenmaßnahmen wurden verhindert

Chinas Umweltminister Xie Zhenhua hatte bereits in der vergangenen Woche die Konsequenz aus dem Skandal gezogen und war zurücktreten. Erst kürzlich hatte sein Stellvertreter Wang Yuqing den Behörden in Jilin Versagen vorgeworfen. Diese hätten den Fall unmittelbar der staatlichen Umweltbehörde melden müssen. Durch die Verzögerung seien schnelle Gegenmaßnahmen verhindert worden. Es seien Untersuchungen eingeleitet worden, wer die Vertuschung angeordnet habe.

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