Bundestheater: Gehaltsverhandlungen abgebrochen

13. Dezember 2005, 12:48
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Basisabgeltung seit zehn Jahren eingefroren - Gewerkschaft bereit zu "wohlüberlegten angemessenen Maßnahmen"

Wien - Die Verhandlungen zwischen den Österreichischen Bundestheatern und der Gewerkschaft Kunst, Medien, Sport, freie Berufe (KMSfB) über die Erhöhung der Gehälter wurden am Dienstag nach der vierten Runde abgebrochen.

Basisabgeltung

Laut Aussendung der Gewerkschaft habe vor dem Hintergrund der seit zehn Jahren nicht erhöhten Basisabgeltung ein Angebot der Holding über eine Erhöhung um 45 Euro - das wären durchschnittlich 1,5 Prozent - einer Gewerkschaftsforderung von zuletzt 2,7 Prozent entgegen gestanden. Die Gewerkschaft war ursprünglich mit der Forderung einer Erhöhung um 3,9 Prozent in die Verhandlungen gegangen.

Die Gewerkschaft sei nun zu "wohlüberlegten angemessenen Maßnahmen" bereit, sagte der Vorsitzende Peter Paul Skrepek laut Aussendung. Bundeskanzler Wolfgang Schüssel (V) als Eigentümervertreter sei aufgefordert, "das Kulturflaggschiff der Republik auch für die Zeit der EU-Präsidentschaft Österreichs mit dem nötigen Treibstoff zu versorgen".

Spielraum

Gegen "Spekulationen, wie es nun weiter geht" wandte sich Bundestheater-Holdingchef Georg Springer nach den abgebrochenen Verhandlungen, konkrete von der Gewerkschaft nun geplante Maßnahmen seien ihm noch nicht bekannt. Springer weist "nachdrücklich darauf hin, dass Maßnahmen, die finanzielle Auswirkungen haben", indem sie etwa Vorstellungen oder den Probenbetrieb beeinträchtigen, dem vorhandenen Spielraum für Erhöhungen abträglich seien.

2,1 Mio. Euro habe die Holding für Erhöhungen disponibel, erläuterte Springer. "Es ist ein Wunder, dass wir dieses Angebot überhaupt machen können", bestätigt er angesichts der seit zehn Jahren gedeckelten Basisabgeltung. Diese 2,1 Mio. Euro kommen sowohl aus "laufenden Spar- und Rationalisierungsmaßnahmen" als auch aus der konzernweiten Rechnung der Holding, bei der die Gewinne der Staatsoper und deren Übernahme der Finanzierung des Bundestheater-Ballett-Betriebs eine positive Rolle spielen.

Flexibilität

Die Gewerkschaft denke laut Springer nicht an Streik, sondern eher an Maßnahmen, die die über die Verpflichtungen der Arbeitnehmer hinausgehende Flexibilität betreffen. Springer wollte dem Eindruck entgegen wirken, dass die Gespräche von der Holding-Seite einseitig abgebrochen worden seien. "Wir konnten unser Angebot nicht mehr verändern, wir waren an der Grenze", so Springer. Um dies in den Verhandlungen deutlich zu machen, habe es nur noch die Möglichkeit einer Einigung auf die vorgeschlagenen 14 mal jährlich 45 Euro pro Person oder den Abbruch gegeben.

Gemessen am Kollektivvertrag für die Technikmitarbeiter - an denen sich Springer bei Gehaltsverhandlungen orientiere, weil diese im Durchschnitt am wenigsten verdienen - würde dies eine durchschnittliche Erhöhung um 2,5 Prozent bedeuten, dies würde auch über der für 2006 prognostizierten Inflationsrate liegen. Bei höheren Gehältern "geht dies natürlich bis unter ein Prozent" zurück. Die Gewerkschaft sei dazu nicht bereit gewesen, "und wir konnten uns nicht mehr bewegen". Daher sei man zu dem Einvernehmen gekommen, dass "es keinen weiteren Sinn macht". Die Entscheidung für den vorläufigen Abbruch hat "niemand herbeigewünscht".

Verhandelt wird für alle Gruppen (Chor, Orchester, Technik, Angestellte und bestimmte Künstler mit Individualverträgen, die an die mit der Gewerkschaft vereinbarten Erhöhungen gebunden sind) außer den noch verbliebenen Beamten, die in die Einigung für den öffentlichen Dienst auf 2,7 Prozent mehr Gehalt fallen. Betroffen ist der Zeitraum seit 1. September bis zum 31. August 2005.

An eine Budgeterhöhung seitens des Bundes für die Bundestheater im Jahr 2006 glaubt Springer "aus Erfahrung heraus mit Bedauern" nicht. Springer betonte, dass "wir auch bei konzernweiter Betrachtung ab dem Kalenderjahr 2007 nicht mehr annähernd über ausreichende Finanzmittel verfügen werden". Es sei dem Eigentümer, also dem Bund, bewusst, dass es "dann eine Reaktion geben muss oder die Entscheidung, dass man an der Aufrechterhaltung des derzeitigen Betriebes im bisherigen Umfang nicht mehr interessiert ist". (APA)

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