Do&Co: Die Yacht auf dem Dach

15. Dezember 2005, 16:59
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Mit Schwindel erregend gutem Service lockte das Do&Co seine Gäste - Jetzt sind Teak und sehr viel Leder dazugekommen

"Die Hütte war zum Schluss dermaßen abgefuckt, man hat sich fast genieren müssen", sagt Attila Dogudan über das - nunmehr renovierte - Schaukästchen seines multinationalen Gastrokonzerns, das Do&Co am Stephansplatz. "Dazu kam, dass die Büros in den mittleren Stockwerken nie funktioniert haben. Bevor da jetzt wieder jemand herumfuhrwerkt, nur damit das dann abermals in die Hosen geht, mach ich lieber selbst was auf."

Deshalb wird es ab Februar ein Hotel im Haas-Haus geben, 45 Zimmer klein, von feinen holländischen Interior-Designern gestaltet und, dank Dogudans Wurzeln, mit einem edlen türkischen Hamam versehen. Das Restaurant hatten auch die Holländer in der Mangel, es hält seit einer knappen Woche geöffnet - für den sprichwörtlichen Perfektionismus des Betreibers also reichlich Zeit, um in Schwung zu kommen. Die schlechte Nachricht für Stephansdom-Touristen und schluckfreudige Zugereiste der mittleren Management-Ebene: Die Onyx-Bar, Wiens protzigsten Branntweiner mit Blick auf den dicken Bauch des Doms, gibt es zwar noch, sie wird in Hinkunft aber für Hotel- und Restaurantgäste reserviert bleiben. "Der Platzbedarf für die Lobby und den Hoteleingang ging zulasten der Onyx, die hat damit nur noch 45 Sitzplätze - da würden Hotelgäste und Touris sich nur gegenseitig auf die Füße steigen", sagt Dogudan.

Die gute Nachricht für Stammgäste:

Sonst hat sich kaum was verändert - weil alles ganz neu ist. Das "Wohnzimmer einer ganzen Generation" (Dogudan) ist immer noch halbrund, mit großen Fenstern zur Kärntner Straße. Immer noch ist rechts davon die Schauküche - nunmehr allerdings mit einem prachtvollen Herd-Ungetüm der französischen Edelschmiede Molteni, das Küchenfetischisten die Hormone einschießen lässt. "Die Köche sind total verliebt in das Monster", lacht Dogudan, "die putzen plötzlich mit echter Hingabe." Tatsächlich: Während ein Tuna-Steak auf dem Griller zischt, wischen ein paar Herren mit hohen Mützen ganz selbstvergessen zärtlich an dem enormen Ding herum.

Als dramatisch könnte die "Generation Do&Co" bloß den Uniformenwechsel beim Servierpersonal empfinden: Die lang geschlitzten Röcke sind passé, stattdessen dürfen die von Dogudan "Mädels" gerufenen Kellnerinnen erstmals auch Hosen anhaben - wobei, zur Beruhigung der Stammgastfraktion, die Betonung bei "auch" liegt: Luftige Kleidchen und kurze Röcke sind gleichberechtigte Teile der Uniform, an Letzteren aber, so eine der Damen, "wird noch herumgeschneidert, die waren anscheinend zu kurz". Das mag man kaum glauben. Gesessen wird auf weißem Leder, in der Bar gar auf dem fetten Sofa einer italienischen Nobelfirma an der, so Dogudan nicht ohne Stolz, auch seine Formel-1-Bekanntschaft Luca di Montezemolo beteiligt sei. Auch sonst ist eine Affinität zur Formensprache der 80er (die wirklich wilde Zeit der "Generation Do&Co"?) festzustellen: An den Wänden und auf dem Boden sorgt verschwenderisch verlegtes Teakholz für mondänes "Yacht-Feeling", die Säulen sind dick mit dunklem Leder bespannt, im Barbereich dominiert Rauleder, aus dem man tolle Sachen für Bo Derek schneidern könnte.

Von bekannt gnadenloser Perfektion ist der Service:

Wenn etwa die Austern ausgehen (passierte an einem der ersten Abende), läuft sofort ein Mitarbeiter durch die kalte Nacht, um aus der nicht ganz nahen Mahlerstraße Nachschub zu besorgen. Fantastische Belons sind das, dick und jodfrisch, dass einem die Meeresbrise nur so den Rücken runterjagt. Tatar (so die - absurde - Duden-Schreibweise) von Thunfisch und Rindsfilet wird mal japanisch wie ein Tataki, mal klassisch französisch angemacht - allerdings verkehrt herum, also der Fisch mit wenig Senf und Kapern, das Filet mit Ingwer, Sesamöl, Soja und ein paar grü- nen Fischeiern mit Wasabi-Aroma, die ganz angenehm am Gaumen kitzeln. Beides von exquisiter Qualität, mit schlafwandlerischer Sicherheit gewürzt, ein richtig metropolitaner "First Course". Überhaupt ist World Cuisine unverändert Sache, die Exekution geht sicher von der Hand, die Kombinationen sind stimmig und überhaupt: Wo sonst stehen Döner Kebab und Tom Yam Goong, Crispy Duck und Bouillabaisse, Crème brûlée von der Gansleber und Kalbsbutterschnitzel so vertraut auf derselben Speisekarte?

Die Preise sind ebenfalls international. Für die Laufkundschaft wird es ein Gassenlokal geben, das nach dem Londoner Vorbild "Prêt-à-manger" originell belegte Brote, Salate und Sweets an möglichst viele der 110.000 täglichen Stephansplatz-Passanten bringt.
(Severin Corti/Der Standard/rondo/09/12/2005)

Foto:
Gerhard Wasserbauer

Do&Co
Stephansplatz 12
1010 Wien
Tel.: 01/535 39 69-0
Mo-So 12-15
u. 18-24 Uhr
VS Euro 11-15,50
HS Euro 19-24
  • Der Gast sitzt auf weißem Leder...
    foto: gerhard wasserbauer

    Der Gast sitzt auf weißem Leder...

  • Artikelbild
    foto: gerhard wasserbauer
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