Musikrundschau: Godzilla rockt mit Mutter

15. Dezember 2005, 15:19
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Neue Alben von Sunn 0))) und Mutter

SUNN 0)))
Black One

(Southern/Trost)
Die elektrischen Kampfmönche aus den USA wenden sich nach dem atemlos machenden weißen Rauschen von White1 und White2 nun den dunklen Höllenstürmen zu. Allerdings wird hier ohne Schlagzeug, dafür mit bedrohlich übereinander geschichteten, quälend langsamen Gitarren-, Bass-und Keyboard-Feedback-Schlieren eine dunkle Form von Drone- und Ambient-Sound produziert, die bei entsprechender Lautstärke tatsächlich tektonische Platten zu verschieben vermag. Dann erwacht tief in der Erde der Godzilla und bricht sich seine Bahn an die Oberfläche. Und der Godzilla hat mächtig Hunger. Als Gastgrunzer sorgen diverse Black-Metal-Donnergurgler zusätzlich für bedrückende Stimmung. Die Vokaltracks für die 16-minütige Suite Bathory Erzebet wurden zwecks Verstärkung der klaustrophobischen Atmosphäre in einem geschlossenen Sarg aufgenommen. Experimentalrock an der Grenze des Erträglichen. Ein intensives Album. Für Menschen, denen Black Sabbath schon immer zu weich waren.

MUTTER
Das Ganze Spektrum Des Nichts
(Ixthuluh)
Eine der unterschätztesten Bands der letzten 16 Jahre, Mutter aus Berlin, wuchtete in ihrer Frühzeit auch ganz schön harten Zeitlupen-Noiserock durch die Gegend, etwa den Anti-Wiedervereinigungs-Song Du Bist Nicht Mein Bruder. Später bewegte man sich mitunter in schlagereske Blumfeld-Bereiche, blieb aber inhaltlich immer unerbittlich (Krieg Ist Vorbei, Die Erde Ist Der Schönste Platz Der Welt ...). Mit dieser 23-teiligen Werkschau kann man jetzt einiges nachholen. Misanthropisch gesehen. (schach / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 9.12.2005)

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