Steyr: Schuldspruch nach Hungertod von 17-Jähriger

7. Dezember 2005, 19:55
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Einweisung in Anstalt für abnorme Rechtsbrecher verfügt

Die 49-jährige Frau, deren 17-jährige Tochter im Vorjahr in Oberösterreich verhungerte, ist in einem Geschworenenprozess Dienstagabend im Landesgericht Steyr einstimmig wegen vorsätzlichen Mordes durch Unterlassung schuldig gesprochen worden. Zudem wurde die Einweisung in eine Anstalt für abnorme Rechtsbrecher verfügt.

Der Spruch ist nicht rechtskräftig. Das gleich lautende Urteil von einer Verhandlung im Frühjahr war vom Obersten Gerichtshof (OGH) wegen eines Formfehlers aufgehoben worden.

Eine Medizinerin, die die 49-Jährige bereits seit eineinhalb Jahren behandelt, hatte zuvor erklärt, dass für die Mitpatienten der Beschuldigten zwar keine Gefahr bestehe, für die Kinder der Angeklagten, die sie in der Nervenheilanstalt besuchen, könne man dies jedoch nicht ausschließen. Der Wahn der Beschuldigten, der auf einer subjektiven Überzeugung basiere, sei mit einer medikamentösen Therapie "schlecht bis gar nicht" behandelbar.

Gutachten

Ein psychiatrischer Gutachter hatte zwar erneut die Unzurechnungsfähigkeit der Frau bestätigt und betonte, dass sie nicht für den Tod des Mädchens verantwortlich gemacht werden könne. Aussicht auf Heilung bestehe jedoch so gut wie keine.

Die Schülerin war im vergangen Jahr tot in ihrem Bett aufgefunden worden. Sie hatte bei einer Körpergröße von 1,64 Metern nur mehr rund 30 Kilo gewogen und dürfte zwischen 22. und 23. Mai an den Folgen von Nahrungsmangel gestorben sein.

Die 49-Jährige war bereits im ersten Prozess im April einstimmig wegen Mordes durch Unterlassung schuldig gesprochen und für unzurechnungsfähig erklärt worden. Der OGH hob das Urteil aber mit der Begründung, die Geschworenen seien nicht gefragt worden, ob die Frau vielleicht nur fahrlässig gehandelt habe, wieder auf.

Die Angeklagte erbat sich Bedenkzeit, die Staatsanwältin verzichtete auf Rechtsmittel. Das Urteil ist somit nicht rechtskräftig. (APA)

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