Softwarekonzern CA "glaubt wieder" an sich selbst

14. Dezember 2005, 10:04
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Das US-Softwarehaus Computer Associates will aus den Unruhen der letzten Jahre wie Phönix aus der Asche aufsteigen

"Das werden sicherlich noch harte Zeiten", sagt John Swainson, der seit rund einem Jahr amtierende CEO von CA, "aber das Unternehmen ist auf gutem Weg." Manipulierte Umsätze, überhöhte Bonuszahlungen ans Topmanagement und Aktionärsklagen prägten in den vergangenen Jahren das Bild des weltweit siebtgrößten Softwarekonzerns. Swainsons Vorvorgänger, Sanjay Kumar, wurde angeklagt; seine Gerichtsverhandlung beginnt im kommenden Frühjahr. Swainson hat es geschafft, das Unternehmen aus dem Bilanzskandal herauszuhalten, was sich auch im Aktienkurs widerspiegelt: "Das ist eine Sache zwischen Gericht und Kumar", sagt er dazu nur knapp.

Reduktion

Sinnbild der Distanz, mit der CA seiner Vergangenheit gegenübersteht, ist die Reduktion der Firmenbezeichnung Computer Associates auf das Kürzel CA. Die neuen Werbekampagnen CAs werden mit dem Slogan "Believe Again", glaube wieder, unterlegt. Das neue Auftreten des Unternehmens ist nur ein kleiner Teil des Umgestaltungsprogramms, das Swainson CA verordnet hat. Das Unternehmen wurde gestrafft; Reportinglines neu gelegt, die Führungsriege ausgewechselt.

Druck

Die unzähligen, sehr unterschiedlichen Produktbezeichnungen sollen, soweit möglich, ebenfalls in einem harmonischeres Bezeichnungssystem zusammengefasst werden. Allerdings sieht Swainson dabei keinen großen Druck. CA sei ein Unternehmen, das mit seiner Managementsoftware große und mittlere Firmen adressiert und in diesem Kundenbereich seien die Bezeichnungen bekannt.

Wichtiger ist, dass im letzten Jahr die vielen Produkte gebündelt und untereinander durch Schnittstellen kommunikationsfähig gemacht wurden. 26 EITM-fähige Produkte - EITM steht für Enterprise IT Management -, welche die gesamte Bandbreite der Management- und Sicherheitsaufgaben in Unternehmen abdecken, sind so entstanden.

Neue Märkte

Auch in neue Märkte soll aktiver gegangen werden. Osteuropa, fast ein weißer Fleck auf CAs Landkarte, wird stärker bearbeitet. "Wir gehen da mit unseren Kunden mit", erklärt Swainson. Interessanterweise hat CA seine Osteuropazentrale nach Dubai verlegt. Warum? "Die Strukturen, wie unsere lokalen Partner arbeiten, sind im Nahen Osten denen in Osteuropa ähnlich", erklärt Swainson.

Und noch etwas will das Unternehmen, das zuletzt 3,5 Milliarden Dollar, knapp drei Mrd. Euro, umsetzte, mehr in den Vordergrund stellen: Dass CA nicht nur kraft Akquisitionen wachse, wie oftmals vorgeworfen. CAs Kriegskasse - eine Milliarde Dollar - soll jeweils zur Hälfte in Forschung/Entwicklung sowie weiteren Firmenzukäufen aufgehen. Swainson, ein ehemaliger IBM-Mann, will in "CA Labs" auch Basisforschung installieren und nicht nur reine Produktentwicklung. Ähnlich wie bei IBMs Forschungsstrukturen, sollen diese Labs eng mit Unis zusammenarbeiten und etwa untersuchen, was Wirelesstechnologien für das Management von IT-Infrastruktur bedeuten. (Johanna Ruzicka / DER STANDARD Printausgabe, 07.12.2005)

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