Hydro-Interessenten: Angst vor der Allianz

21. Dezember 2005, 14:26
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Bei Interessenten an der VA Tech Hydro geht die Angst um, dass Siemens-Aktionär Allianz den Zuschlag bereits in der Tasche habe

Wien/Weiz – Heftige Diskussionen über den Verkaufsprozess für die VA-Tech-Kraftwerkssparte Hydro stehen am Mittwoch in der – mutmaßlich letzten – Aufsichtsratssitzung der "alten" VA Tech an. Da auch die Abspaltung der Hydro von der VA Tech auf der Agenda steht, gehen die beiden Unternehmen künftig auch rechtlich getrennte Wege.

Für Unsicherheit bei Belegschaft und Bietern gleichermaßen sorgen Gerüchte, wonach das Rennen um die Hydro bereits gelaufen sei, ehe die Frist zur Abgabe verbindlicher Angebote abgelaufen sei. Selbige sollte ursprünglich am 9. Dezember enden, wurde von Siemens aber bis 19. Dezember verlängert.

"Schiefe Optik"

Hintergrund ist, dass Siemens-Aktionär Allianz, der zugleich Haus- und Hofversicherer des Elektromultis ist, bereits als präsumptiver Käufer gehandelt wird. "Ja, ich habe davon auch schon gehört", sagt Androsch im STANDARD-Gespräch, "ich will mir das aber ehrlich gestanden nicht vorstellen". Es sei für ihn schwer vorstellbar, "dass sich Siemens wirklich dieser schiefen Optik" aussetze. "Aber, was weiß man heutzutage schon." Einen Beigeschmack würde es jedenfalls haben, es wäre auch "interessant, was dann die EU-Wettbewerbsdirektion damit macht", gibt Androsch zu bedenken. Andererseits halte sich die Allianz-Gruppe mit Soravia ein "österreichisches Feigenblatt". Damit wolle sich die Allianz offensichtlich einen "österreichischen Touch" geben.

Bietprozess "alles andere als meisterlich"

Wie andere Interessenten kritisiert auch Androsch den bisherigen Verlauf des Bietprozesses. Der sei "alles andere denn meisterlich" geführt worden, zeichne sich durch "Unprofessionalität" aus. Androsch: "Die Performance gefällt mir überhaupt nicht." Zum Beispiel seien die historischen Daten erst sehr spät in den elektronischen Datenraum gestellt worden. Er stellt deshalb klar: "Nicht irgendwer muss die Hydro kaufen, sondern Siemens muss sie verkaufen – damit die Interessenlage einmal klar ist. Man darf auch nicht vergessen, dass Siemens Österreich die ertragreichste Auslandstochter ist, weil sie letztlich auch Auftragnehmer öffentlicher Auftraggeber ist."

Sollte das Gerücht eines bereits paktierten Deals mit dem Allianz-Konsortium – das von Siemens am Dienstag einmal mehr vehement dementiert wurde – stimmen, wäre dies "sicher nicht förderlich für die österreichischen Geschäftsinteressen", glaubt Androsch.

Zukunft der Partnerschaft mit General Electric weiter unklar

Anderen Bietern missfällt darüber hinaus, dass es noch immer keinerlei Zusage gebe, ob VA-Tech-Partner General Electric nach dem Verkauf weiter dabei bleibe. Letzteres sei Voraussetzung dafür, dass im oststeirischen Weiz gut tausend Arbeitsplätze erhalten bleiben. Das sei vielleicht für die Allianz kein Problem, wohl aber für unabhängige Käufer. Ebenfalls offen: Welchen Anteil die neue Hydro von der Automatisierungstochter SAT bekommt. Der Treuhänder habe diesbezüglich noch keine Lösung vorgelegt, was die Erstellung verbindlicher Angebote erschwere. (mue, ung, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 7.12.2005)

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    Bei der Hydro in Weiz wird sich noch vor Weihnachten weisen, wie es für die Beschäftigten weiter geht. VA Tech wird der Kraftwerksbau danach wohl nicht mehr heißen.

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