Erstmals mehr als eine Million Flüge über Österreich

21. Dezember 2005, 14:20
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Salzburg wuchs am stärksten - Zu viele Verspätungen - Austro Control senkt Gebühren und sucht Lotsen

Wien - Der Flugverkehr über Österreich hat im auslaufenden Jahr 2005 neuerlich stark zugenommen: Die Zahl der kommerziellen Flugbewegungen (Starts und Landungen) hat mit 1,056.000 (nach 948.069) erstmals die Grenze von einer Million überschritten. Mit einem erwarteten Plus von 11,6 Prozent im Gesamtjahr liegt das Wachstum damit deutlich über knapp 5 Prozent Zuwachs, die Eurocontrol für ganz Europa in den ersten drei Quartalen verzeichnete, sagte Austro Control-Generaldirektor Christoph Baubin am Dienstag bei einer Pressekonferenz in Wien.

Starker Zuwachs in Salzburg

Am stärksten zugenommen hat der Verkehr nach bisher vorliegenden Daten (bis Oktober) demnach in Salzburg, wo es vor allem dank Billigfluggesellschaften um 18,6 Prozent mehr Landungen gab. Am Wiener Flughafen stieg das Aufkommen um 4,1, in Innsbruck um 3,7 Prozent. Der Grazer Flughafen verzeichnete um 2,9 Prozent mehr Bewegungen, in Klagenfurt gab es ein Plus von 1,6, in Linz eines von 0,5 Prozent.

In der Folge senkt die für die Überwachung des österreichischen Luftraums verantwortliche Austro Control mit Anfang 2006 die Gebühren weiter ab, sowohl für den Überflug ("unit rate") als auch für Starts und Landungen. Konkret sinkt die Überfluggebühr ab Anfang Jänner 2006 von derzeit 64,44 auf künftig 58,76 Euro (umgerechnet auf 100 km Überflug je 50 Tonnen Höchstabfluggewicht), das entspricht einer Senkung um 8,8 Prozent, im Jahresabstand sogar einer Reduktion um 14 Prozent.

"Damit sind wir von einem Spitzenplatz europaweit jetzt auf den 10. Platz der teuersten Flughäfen in Europa zurückgefallen", so Baubin. Zugleich sinken die Start- und Landegebühren von 223 auf 198 Euro (-11,2 Prozent). Möglich geworden seien diese Senkungen durch das kräftige Verkehrswachstum und die gestiegene Effizienz. Das werde noch nicht das "Ende der Fahnenstange sein", deutete Baubin an.

AUA spart sich vier Millionen jährlich

Positiv fällt die Reaktion der AUA aus, die sich jährlich bis zu 4 Mio. Euro von den Maßnahme sparen sollte. "Wir begrüßen den Beitrag der Austro Control zur Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Wien sehr", erklärte AUA-Sprecher Johannes Davoras am Dienstag. Konkurrenzfähige Flugsicherungskosten und ein möglichst leistungsfähiges und reibungsloses Luftverkehrsmanagement seien wichtige Erfolgsfaktoren für den Wirtschaftsstandort Österreich und das Austrian-Netzwerk, das ein Luftverkehrsdrehkreuz ("hub") nach Osteuropa und in den Fernen Osten betreibt.

Fluglotsen gesucht

Zudem werden neue Fluglotsen gesucht: Derzeit befinden sich 60 Lotsen in Ausbildung, etwa zehn sollen aus Deutschland dazu kommen. Mittelfristig soll sich die Zahl der 300 Fluglotsen auf etwa 350 Personen - darunter immer mehr Frauen - erhöhen. Gleichzeitig soll die Gesamtzahl der Mitarbeiter von gut 900 um rund 10 Prozent sinken, etwa in den Bereichen Infrastruktur oder Meteorologie.

Weiter Handlungsbedarf gibt es bei den Verspätungen: Im dritten Quartal waren 26 Prozent aller Abflüge ab Wien um mehr als 15 Minuten verspätet, mehr als vor einem Jahr (24 Prozent) und mehr als im europäischen Durchschnitt (20 Prozent). Immerhin sei die Anzahl der Verspätungen im Einflussbereich der Flugsicherung österreichweit um 15 Prozent zurückgegangen, im Bereich Wien sogar um 29 Prozent. "Hier sind wir auf dem richtigen Weg, aber noch nicht zufrieden", so Austro Control-Vorstand Johann Zemsky, der eine bessere Zusammenarbeit von Air Traffic Management, Airlines und Airports fordert.

Laut Eurocontrol sind 52 Prozent der Verspätungen auf die Fluggesellschaft zurückzuführen, es folgen Flughafen samt Flugsicherung (20 Prozent), weiters die Faktoren Strecke (13), Wetter (6) oder Sicherheit (5 Prozent).

Kooperation mit Slowakei soll weiter verbessert werden

Auf jeden Fall verbessert werden soll die Zusammenarbeit mit der slowakischen Flugsicherung - unabhängig davon, ob der Flughafen Wien den Zuschlag für den zu privatisierenden Flughafen Bratislava/Pressburg erhält oder nicht. Ein neuer privater Eigentümer werde das Wachstum von Bratislava weiter vorantreiben, wird erwartet. Baubin spricht sich auch für eine möglichst rasche Inbetriebnahme einer dritten Piste am Flughafen Wien aus - idealerweise schon 2010. (APA)

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