Archäologische Schätze in Trier gefährdet

13. Dezember 2005, 11:19
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Ein Drittel des 284 Hektar großen antiken Stadtgebietes laut Experten-Kommission bereits verloren

Trier - In Deutschlands ältester Stadt Trier müssen nach Ansicht einer Experten-Kommission archäologische Schätze, die noch in der Erde schlummern, deutlich besser vor Zerstörung bewahrt werden. Ein Drittel des 284 Hektar großen antiken Stadtgebietes sei bereits tiefgründig verloren, sagte der Frankfurter Professor Siegmar von Schnurbein, Vorsitzender der Archäologischen Trier-Kommission, am Dienstag in Trier. Wegen Neubauten gehe jedes Jahr ein weiterer Hektar verloren. Das gesamte Gebiet sollte daher als Grabungsschutzgebiet ausgewiesen werden.

"In drei Generationen nichts mehr übrig"

"Wenn wir so weiter machen, bleibt in drei Generationen fast nichts mehr übrig", sagte der Direktor der Römisch-Germanischen Kommission des Deutschen Archäologischen Instituts in Frankfurt. Auf Grund gestiegener Grundstückspreise und höherer Baunachfrage werde im Stadtgebiet zunehmend tief gegraben. "Dabei werden archäologische Reste restlos beseitigt", sagte von Schnurbein. Früher dagegen sei es bei den oberen Schichten geblieben.

Die Ausweisung als Schutzgebiet bedeute nicht, dass nicht mehr gegraben werden dürfe, sondern dass Fachleute von Anfang an hinzugezogen würden. Viele Monumente wie die Porta Nigra, die Kaiserthermen oder das Amphitheater, sind als UNESCO-Weltkulturerbe anerkannt. Trier war um 16. v. Chr. als Augusta Treverorum gegründet worden.

Trauriger Zustand einiger historischer Bauten

Die Kommission kritisierte zudem den Zustand einiger Bauten. In den Kaiserthermen stürzten "Brocken des antiken Mauerwerks" herab, auch weil Besucher darauf klettern könnten. In der Basilika gebe es Malereien in den Fensterlaibungen, die weitgehend unbekannt, aber "unerhört kostbar" und "dringend zu schützen" seien. Als besonders trauriges Beispiel nannte die Kommission die Grabkammer am Reichertsberg, in der sich mangels Pflege bereits die Fresken auflösten. An vielen Monumenten fehlten Informationstafeln. (APA/dpa)

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