Fünf Bombenanschläge überschatteten Nationalfeiertag

11. Dezember 2005, 19:26
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Offenbar keine Verletzten - Flughafen von Santander nach ETA-Drohung evakuiert

Madrid - Eine Serie von Bombenanschlägen und -drohungen mutmaßlicher Extremisten der baskischen Untergrundorganisation ETA hat den spanischen Nationalfeiertag überschattet. Auf Straßen im Großraum von Madrid explodierten am Dienstag nach einer anonymen Warnung fünf kleinere Sprengsätze. Ein Anrufer hatte zuvor im Namen der ETA die Anschläge angekündigt, wie das spanische Innenministerium mitteilte. Der Flughafen der nordspanischen Stadt Santander wurde wegen einer ETA-Drohung evakuiert.

Bombe im Navarra

Bereits in der Nacht zum Dienstag brachte die ETA eine Bombe im nordspanischen Navarra zur Explosion. Dabei gab es nur geringen Sachschaden. Der anonyme Anrufer kündigte eine Stunde vor den Anschlägen in Madrid beim Rettungsdienst DYA fünf Bombenexplosionen zwischen 15.00 und 15.30 Uhr an, wie die Organisation mitteilte. Er habe keine Angaben zu den Anschlagsorten gemacht. Die schwachen Detonationen hätten jedoch kaum Schäden angerichtet.

Terroristen in Straßengräben

Nach der telefonischen ETA-Warnung habe die Polizei die Straßen rechtzeitig für den Verkehr sperren können. Es habe sich um kleinere Sprengsätze gehandelt, die von den Terroristen in Straßengräben deponiert worden seien. Es sei jedoch beunruhigend, dass die ETA trotz der scharfen Antiterrorkontrollen und der Überwachungskameras der Autobahnen in Madrid habe zuschlagen können, hieß es im Rundfunk.

Warnung vor Angriff

Der Flughafen in Santander wurde komplett geräumt, nachdem im Namen der ETA vor einem Granatenangriff auf den Airport gewarnt wurde, teilte die spanische Luftsicherheit mit.Den Angaben zufolge wurden sämtliche Flüge umgeleitet; die Polizeipräsenz auf dem Flughafen wurde verstärkt. Der Anruf ging bei der baskischen Zeitung "Gara" ein, wie deren Online-Ausgabe berichtete.

Nationalfeiertag

Die Anschläge fielen mit dem 27. Jahrestag der spanischen Verfassung zusammen, der am Nationalfeiertag traditionsgemäß mit einer offiziellen Zeremonie im Parlament in Madrid begangen wurde. Ministerpräsident Jose Luis Rodriguez Zapatero (Sozialisten/PSOE) hatte dabei mit Blick auf ein Ende des ETA-Terrors von wichtigen Fortschritten gesprochen. Der Nationalfeiertag erinnert an die am 29. Dezember 1978 in Kraft getretene spanische Konstitution.

Forderung nach Abkehr vom Terror

Im Vorjahr war die ETA am Nationalfeiertag ebenfalls mit einer Anschlagsserie in Erscheinung getreten. Dabei wurden bei sieben Anschlägen landesweit insgesamt fünf Menschen verletzt. In einem Stunden zuvor bekannt gewordenen Schreiben hatte die ETA indes erklärt, sie sei die ständigen Spekulationen über eine "Waffenruhe" leid. Für einen Gewaltverzicht müssten Spanien und Frankreich zunächst das Selbstbestimmungsrecht der Basken anerkennen.

Madrid hat sich grundsätzlich zu Verhandlungen mit der ETA bereit erklärt, fordert aber zuvor eine Abkehr vom Terror. Die Organisation kämpft seit fast 40 Jahren für ein unabhängiges Baskenland und hat seitdem fast 850 Menschen getötet. (APA/AFP/dpa)

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