Die Fusionswelle in den USA rollt wieder

16. Dezember 2005, 21:26
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Das Volumen bei Übernahmen und Fusionen könnte heuer die Marke von einer Billion Dollar erstmals seit 2000 wieder über­schreiten - Analyse von Monika Rosen

In den USA könnte das Volumen bei Übernahmen und Fusionen (Mergers and Acquisitions oder M&A) heuer erstmals seit dem Jahr 2000 wieder die Marke von einer Billion Dollar übersteigen. Die Analysten von S&P legen eine erste Bilanz für das Jahr 2005 vor, und wenige Wochen vor Jahresschluss halten wir heuer bei einem M&A-Volumen von knapp 950 Mrd. Dollar.

Das Fusionsfieber hat heuer eine Vielzahl von Branchen erfasst, besonders aktiv waren Pharma und Technologie. Der jüngste Übernahmekampf tobt um das US-Unternehmen Guidant, Hersteller von Herzschrittmachern und Defibrillatoren. Nachdem Johnson & Johnson ein Übernahmeangebot in Höhe von 22 Mrd. Dollar vorgelegt hatte, kam diese Woche das 25 Mrd. Dollar schwere Gegenangebot durch Mitbewerber Boston Scientific.

In der Technologie ist besonders die noch nicht abgeschlossene Übernahme von Siebel durch den Softwareriesen Oracle erwähnenswert. Schon im Jänner hat die US-Telefongesellschaft SBC ihre ehemalige Mutter AT&T übernommen, dieser Deal ist jetzt abgeschlossen. Im Zuge der Übernahme hat SBC den Namen AT&T angenommen.

Absolute Rekorde in 2000

Absolute Rekorde erlebte der amerikanische M&A-Markt im Jahr 2000, als das Transaktionsvolumen 1,7 Billionen Dollar erreichte. Die beiden Jahre davor, also 1998 und 1999, reichten fast an dieses Niveau heran. Aber damals wurde der Markt sehr stark von Faktoren wie Deregulierung und dem Aufstieg des Internet geprägt.

In den Jahren 2001 bis 2003 ging die M&A-Aktivität deutlich zurück. Nach der schweren Korrektur der Technologie und den Anschlägen vom 11. September ließ die Investitionsbereitschaft in den USA generell nach. Einige Jahre lang richteten die Unternehmen ihre Aufmerksamkeit stärker nach innen, Schuldenstände wurden reduziert und die Risikobereitschaft war insgesamt im Sinken.

Diese Phase scheint aber nun vorbei zu sein. Die Gewinne der US-Unternehmen wachsen schon seit geraumer Zeit zweistellig, das Zinsniveau ist trotz der Anhebungen durch die Notenbank immer noch relativ niedrig, und die Unternehmen haben wieder ausreichend Barbestände.

Neue Generation von Käufern

Dazu kommt, dass im Jahr 2005 eine neue Generation von Käufern aufgetreten ist. Als der chinesische Energieriese CNOOC die amerikanische Unocal kaufen wollte, sorgte das an der Wall Street für einiges Aufsehen. Erstmals versuchte ein chinesisches Unternehmen, ein amerikanisches zu übernehmen. Auch wenn es letztlich nicht gelang, die Botschaft war klar und deutlich. Die Rolle Chinas ist auch an den Finanzmärkten im Wandel.

Fazit: Für den Aktienmarkt ist der neue Boom bei Fusionen und Übernahmen sicher ein positives Signal, denn er zeigt an, dass die Unternehmen wieder mehr Vertrauen gefasst haben. Außerdem unterstützt er die Erträge der Investmentbanken, die diese M&A-Deals begleiten. Insofern sehen wir darin ein weiteres Anzeichen dafür, dass der Markt langsam im Begriff ist, die Korrektur nach dem Jahr 2000 zu überwinden.

Alle Angaben trotz größter Sorgfalt ohne Gewähr. Die Informationen beruhen auf Quellen, die wir für zuverlässig erachten. Eine Garantie für deren Richtigkeit oder Vollständigkeit kann ebenso wenig übernommen werden wie für das Eintreten der Prognosen. Alle Meinungsaussagen geben lediglich die aktuelle Einschätzung der Autoren wieder, die sich ohne vorherige Ankündigung wieder ändern kann.

Die Autorin ist Analystin bei BA-CA Asset Management:

BA-CA Asset Management
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    foto: derstandard.at
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