Weibliche Spitze Chiles

13. Dezember 2005, 13:01
posten

Sozialistin Michelle Bachelet ist Favoritin für Präsidenten-Stichwahl - Entscheidung fällt im Jänner

Santiago de Chile - Die Sozialistin Michelle Bachelet geht im Jänner als Favoritin in eine Stichwahl um das Präsidentenamt in Chile. Die 54-jährige Kinderärztin erhielt am Sonntag nach Angaben der zentralen Wahlbehörde in der ersten Runde 45,87 Prozent der abgegebenen Stimmen. Da sie die absolute Mehrheit verfehlte, muss sie sich in der zweiten Runde am 15. Jänner dem konservativen Unternehmer Sebastian Pinera stellen, auf den 25,48 Prozent der Stimmen entfielen.

Stabile Demokratie

Bei der Parlamentswahl am selben Tag eroberte das regierende Mitte-Links-Bündnis "Concertacion", eine Koalition aus Christdemokraten, Sozialisten und zwei kleineren Parteien die meisten Sitze und baute seinen Vorsprung im Abgeordnetenhaus aus. Es waren die vierten allgemeinen Wahlen in Chile seit Ende der Militärdiktatur von Augusto Pinochet 1990. Das Land hat sich seither unter Regierungen der Concertacion, für die auch Bachelet antrat, zu einer der stabilsten Demokratien Lateinamerikas entwickelt.

Bachelets Wahlkampfteam zeigte sich zuversichtlich, in der zweiten Runde zu gewinnen. Die studierte Kinderärztin und ehemalige Verteidigungsministerin wäre die erste Frau an der Spitze Chiles. Sie war unter Machthaber Augusto Pinochet gefoltert worden und lebte unter anderem in der DDR im Exil. Bachelet kündigte an, die liberale Wirtschaftspolitik ihres Vorgängers Ricardo Lagos fortzusetzen.

Weniger Armut

Während der Regierungszeit des Mitte-Links-Bündnisses hat sich die Armutsrate halbiert. Zur Zeit erlebt das Land eine Phase der Hochkonjunktur, weil die Preise für sein Hauptexportgut Kupfer stark gestiegen sind. Hauptthemen des Wahlkampfes waren bessere Lebensbedingungen für die armen Bevölkerungsschichten, die Kriminalität, die Reform des Pensionssystems und die innere Sicherheit.

Bachelet versprach vor allem, sich für mehr Chancengleichheit einzusetzen. Der in vielen anderen lateinamerikanischen Ländern geführte oft sehr ideologische Streit um mehr oder weniger Marktwirtschaft und Freihandel spielt in Chile nur eine geringe Rolle. (APA/Reuters/dpa)

  • Bild nicht mehr verfügbar
    Michelle Bachelet
Share if you care.