Mit Bleistift und Feder "Farbe bekennen"

9. Dezember 2005, 14:18
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"Die Presse" lud anlässlich "50 Jahre Ironimus" zur Podiumsdiskussion über Karikatur

Mit wenigen präzisen Federstrichen formuliert oder opulent und farbig gestaltet: (Politische) Karikaturen sind aus der österreichischen Presselandschaft nicht wegzudenken. Ob sie "wichtig oder überflüssig" sind, war daher nur eine rhetorische Frage, die am Montagabend auf Einladung der "Presse" im Radiokulturhaus diskutiert wurde. Einig war man sich, dass die Karikatur auch für ihre Objekte - oder, je nach Standpunkt, Opfer - wichtig ist, wie es Gustav "Ironimus" Peichl formulierte.

"Von den klugen Betroffenen wird man zum Essen eingeladen, die anderen klagen einen", berichtete Gerhard Haderer ("profil", "Stern") von seinen Erfahrungen. "Relativ sensible Politiker sollten die Karikatur wie eine geschriebene Analyse für sich als eine Antwort auf ihre eigene politische Tätigkeit nehmen", meinte Heide Schmidt, frühere Chefin des Liberalen Forums und davor FPÖ-Politikerin. Sie wusste von Aha-Effekten durch Karikaturen zu berichten, die ihr Diskrepanzen zwischen der eigenen Position und der Außenwirkung aufgezeigt hätten.

"Gezeichneter Leitartikel"

Für Peichl ist die tägliche Zeitungs-Karikatur schlicht "der gezeichnete Leitartikel". Seit 50 Jahren zeichnet "Ironimus" für die "Presse", dieses Jubiläum war auch der Anlass für die Podiumsdiskussion. Peichl verwies auf einen Unterschied zwischen ihm und Haderer: "Ich bin ja viel lieber ein politischer Journalist als ein Künstler - im Gegensatz zu Haderer."

Der Kabarettist Werner Schneyder fühlt sich den Karikaturisten in gewissem Sinne verwandt: Beide müssten jeden Tag das aktuelle Geschehen verarbeiten. "Insofern sind wir Kollegen." Peter Baum, früherer Direktor des Linzer Lentos-Museum, zog seinen Hut vor der "Institution" Peichl: "50 Jahre durchhalten - das ist eine Sonderleistung." Die scheinbare Schlichtheit der "Ironimus"-Werke sei nicht zu unerschätzen: "Wenn man nur mit dem Bleistift oder mit der Feder arbeitet - dann muss man Farbe bekennen." (APA)

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