Pjöngjang setzt Atomgespräche aus

16. Dezember 2005, 09:49
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US-Botschafter bezeichnete Nordkoreas Regierung als "kriminelles Regime", das mit Drogen handle und Dollars fälsche - Pjöngjang kritisiert "Provokation"

Seoul - Im Konflikt zwischen Nordkorea und den USA werden die Töne wieder schärfer. Nordkorea bezeichnete Kritik des amerikanischen Botschafters in Seoul als "Provokation". US- Botschafter Alexander Vershbow hatte die Regierung in Pjöngjang unlängst als "kriminelles Regime" beschrieben. Die Worte Vershbows kämen einer "Kriegserklärung" an alle Koreaner gleich, hieß am Samstag in einer Erklärung des Komitees für die friedliche Wiedervereinigung des Vaterlandes in der nordkoreanischen Hauptstadt.

Die Äußerungen des US-Diplomaten seien eine "nicht hinnehmbare Provokation und eine Beleidigung des politischen Systems" in Nordkorea, wurde ein Sprecher des für die innerkoreanischen Beziehungen zuständigen Komitees von der offiziellen Nachrichtenagentur KCNA zitiert. Er drohte zugleich mit einer Vergeltung durch Nordkorea.

"Schurkenstaaten"

Vershbow hatte Nordkorea am Mittwoch ein kriminelles Regime genannt, das "Schurkenstaaten" mit Waffen beliefere. Zudem beschuldigte er den kommunistischen Staat, in den Handel mit Drogen verwickelt zu sein und in großem Ausmaß US-Dollar zu fälschen. Deshalb könnten die USA ihre bestehenden Sanktionen gegen das Land nicht aufheben.

Das Außenministerium in Pjöngjang warf den USA erneut vor, durch ihre Sanktionen eine Fortsetzung der Gespräche über ein Ende des umstrittenen nordkoreanischen Atomprogramms zu verhindern. "Die Wiederaufnahme der Sechs-Länder-Gespräche und deren Fortschritt wird vollständig von der US-Haltung abhängen", wurde ein Ministeriumssprecher am Samstag von KCNA zitiert. Die USA seien auf Grund ihrer Weigerung, Gespräche mit Nordkorea über die Sanktionen zu führen, schuld daran, dass auch die Sechser-Verhandlungen auf "unbestimmte Zeit" suspendiert seien.

Die jüngste Sechserrunde war im November mit der Einigung auf eine baldige Wiederaufnahme unterbrochen worden. Im September hatte Nordkorea grundsätzlich den Abbau bestehender Atomprogramme im Gegenzug zu Wirtschaftshilfen zugesagt. (APA/dpa)

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