Razzien und Festnahmen nach Selbstmordanschlag

9. Dezember 2005, 09:01
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14 Palästinenser, darunter Angehörige des Attentäters, im Westjordanland verhaftet

Jerusalem - Einen Tag nach dem Selbstmordanschlag in Netanya hat die israelische Armee am Dienstag einen Großeinsatz gegen Palästinenser-Extremisten im Westjordanland begonnen. Sie schränkte die Bewegungsfreiheit der Bewohner des Palästinenser-Gebietes ein und nahm bei Razzien 14 Palästinenser fest, Augenzeugen zufolge auch den Vater und drei Brüder des Attentäters von Netanya.

Die Armee werde hart gegen die Extremisten-Gruppe Islamischer Jihad durchgreifen, hieß es in israelischen Sicherheitskreisen. Die Gruppe hatte sich zu dem Anschlag bekannt, bei dem am Vortag sechs Menschen getötet und mehr als 40 weitere verletzt wurden. Wie die radikal-moslemische Hamas kämpft der Jihad für eine Zerstörung Israels.

Denkmal zerstört

Im Gaza-Streifen wurde durch eine Explosion ein Denkmal für die ägyptischen und palästinensischen Gefallenen im Kampf gegen Israel zerstört, das 1956 von Ägypten errichtet und 1993 von den Palästinensern wieder in Stand gesetzt worden war. Augenzeugen vermuteten palästinensische Islamisten hinter dem Anschlag, weil der Islam Abbilder dieser Art verbietet. Andere verdächtigten Israel als Urheber. Die israelische Armee wies jede Verantwortung zurück.

Israel hat den Küstenstreifen Mitte September nach fast 40-jähriger Besatzung verlassen. Anschläge wie der Netanya und Gegenschläge Israels dämpfen die Hoffnungen darauf, dass sich durch den einseitigen Schritt der Friedensprozess wiederbeleben lässt.

Gegen den Islamischen Jihad solle umfassender und intensiver vorgegangen werden als bisher, sagte Verteidigungsminister Shaul Mofaz im Armeerundfunk. Aus Sicherheitskreisen verlautete, gezielte Tötungen von Vertretern der Terrororganisation seien geplant, außerdem sollten weitere Luftangriffe im Gazastreifen geflogen werden. Er hoffe, dass das verschärfte Vorgehen gegen Extremisten Anschläge wie den von Montag verhindern werde, erklärte Mofaz.

Mit der Schließung der Grenzübergänge in den Autonomiegebieten wurden tausende Palästinenser an der Einreise nach Israel gehindert. Lediglich der größte Güterübergang blieb geöffnet. (APA/Reuters/AP)

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