Borealis verlegt 2006 Konzernsitz nach Wien

16. Dezember 2005, 14:20
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Der Kunststoffriese Borealis, an dem die OMV mit 35 Prozent beteiligt ist, verlegt Mitte 2006 sein Headquarter von Kopenhagen nach Wien - Brüssel und London, die sich ebenfalls beworben hatten, gingen leer aus

Wien - Österreich hat das Rennen um den Konzernsitz von Borealis gewonnen: Mitte 2006 verlegt der Kunststoffriese, der nach einer im Sommer erfolgten Aufstockung der Anteile zu 35 Prozent der OMV gehört, sein Headquarter von Kopenhagen nach Wien. Das hat der fünfköpfige Aufsichtsrat von Borealis unter Vorsitz von OMV-Vizegeneraldirektor Gerhard Roiss am Montagnachmittag beschlossen. In etwa fünf Jahren wird auch ein Börsengang angepeilt.

Wien habe sich gegen Mitbewerber wie London und Brüssel durchgesetzt, weil es hier unter anderem eine attraktive Steuergesetzgebung, relativ günstige Mieten und ein hohes Maß an Sicherheit gebe, hatte es schon im Vorfeld der Aufsichtsratssitzung geheißen. Nach der Übersiedlung wird Borealis, bisher eine dänische Tochter der OMV, mit 4,6 Mrd. Euro Umsatz und weltweit rund 4500 Mitarbeitern das viertgrößte Industrieunternehmen Österreichs sein.

Rund 50 Mitarbeiter

Inklusive des Managements werden rund 50 Mitarbeiter von Lingby bei Kopenhagen, dem bisherigen Sitz des Unternehmens, nach Wien übersiedeln. Analysten heimischer Banken begrüßten die Entscheidung. Klara Szekffy von der Raiffeisen Centrobank etwa erwartet sich dadurch auch eine Wertsteigerung für die OMV, wie sie dem STANDARD sagte. Borealis, zweitgrößter Kunststofferzeuger Europas nach Basell (Niederlande), verarbeitet rund 85 Prozent der von der OMV erzeugten Petrochemie-Produkte und ist damit größter Kunde der beiden OMV-Raffinerien in Schwechat und Burghausen.

Wien-Schwechat ist einer von insgesamt sieben Produktionsstandorte der Borealis in Europa, in Linz gibt es darüber hinaus eine Forschungsabteilung mit knapp 100 Beschäftigten. Demnächst soll die Entscheidung über eine der Forschungszentralen fallen. Die Chancen Österreichs, auch hierbei zum Zug zu kommen, sind durch die Übersiedlung des Headquarters gestiegen.

Bis zur Jahresmitte gehörte Borealis noch zur Hälfte der norwegischen Statoil; jeweils 25 Prozent hielten die OMV und ihr Kernaktionär IPIC (International Petroleum Investment Company; Abu Dhabi). Weil sich Statoil aber auf ihr Kerngeschäft Öl und Gas konzentrieren wollte, ergab sich für OMV und IPIC die Chance auf 100 Prozent. Seit dem Closing im Oktober hält IPIC nun 65 Prozent an Borealis, die OMV ist mit 35 Prozent beteiligt und dürfte nach Schätzungen der Raiffeisen Centrobank heuer rund 54 Mio. Euro an Dividendenzahlungen aus Kopenhagen erhalten. Im Vorjahr waren es 41 Mio. Euro.

Erst heuer haben OMV und Borealis ihre Produktionskapazität in Schwechat unter anderem bei Polypropylen deutlich erhöht, das vor allem in Südosteuropa stark nachgefragt wird. Aus Polypropylen werden Verpackungen, Kunststoffrohre sowie Stoßstangen und Armaturen gefertigt. (Günther Strobl, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 06.12.2005)

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