In Kiew herrscht nun Raiffeisen

14. Dezember 2005, 15:47
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Größte Bankengruppe der Ukraine

Kiew - Es war die größte Einzelinvestition der Firmengeschichte: Raiffeisen hat Mitte Oktober eine runde Milliarde Euro in die Hand genommen, um die zweitgrößte Bank der Ukraine, die erst 1992 gegründete Aval-Bank, zu kaufen, weshalb jeder der vier Gründer - Herren der einstigen Nomenklatura - nun in Südfrankreich überlegt, was man mit 250 Millionen Euro dort oder anderswo machen kann.

Raiffeisen selbst hat sich mit dem Kauf zur größten Bankengruppe des 47-Millionen-Einwohner-Landes aufgeschwungen. Mit 1400 Filialen ist Aval flächendeckend vertreten (Raiffeisen International erhöht die Zahl seiner Geschäftsstellen damit auf 2400), betreut drei Millionen Kunden und beherrscht mit der 1998 gegründeten Raiffeisenbank Ukraine rund zwölf Prozent des Marktes.

Dabei soll es nicht bleiben, sagt Johannes Riepl von den Kiewer Genossenschaftern. "In der Ukraine herrscht eine Dynamik, von der wir in Österreich nur träumen können." Immerhin wird für 2006 ein Wachstum von zehn Prozent prognostiziert.

Für die Raiffeisenmanager in Kiew beginnt, erzählt Rainer Sichert, Aval-Vorstand mit Zuständigkeit für die "Transformation", nun die harte Zeit der Zusammenführung der beiden Banken. Produkte werden "harmonisiert", das Risikomanagement "standardisiert", die Telekommunikation ins Callcenter "ausgelagert". Nicht jeder der zur Zeit 18.000 Aval-Mitarbeiter wird das wohl überstehen.

Für Österreichs Wirtschaft, meint Julius Marhold, Generaldirektor der Raiffeisenbank Burgenland, der unlängst eine Journalistengruppe durchs Ukrainische führte, tue sich jedenfalls eine hochinteressante Perspektive auf einem aufnahmefähigen Markt auf. Marhold rechnet mit einem Investitionsschub aus Österreich, denn das habe sich schon in der Vergangenheit gezeigt: Raiffeisen ziehe heimische Unternehmen mit: "Wir sind wie ein Eisbrecher." (wei, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 06.12.2005)

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