Windenergie kann Entwicklungsländern enorm helfen

12. Juli 2006, 14:33
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Voraussetzungen laut UN-Studie um das Dreizehnfache besser als bisher angenommen

Montreal/Berlin - Windräder könnten einer UN-Studie zufolge in deutlich mehr Gebieten der Dritten Welt zur Stromerzeugung eingesetzt werden als bisher erwartet. "Neue Untersuchungen haben gezeigt, dass 13 Prozent des Landgebiets potenziell für Windkraft geeignet sind", sagte Tom Hamlin vom UN-Umweltprogramm am Rande der UN-Weltklimakonferenz in Montreal.

Bisher sei davon ausgegangen worden, dass nur etwa auf einem Prozent der Landfläche der Entwicklungsländer genügend Wind vorhanden sei. Dies habe Investoren und Regierungen eher abgeschreckt, Wind als umweltfreundliche Alternative zur Stromerzeugung in Betracht zu ziehen. Durch Windenergie könnten Entwicklungsländer zum Teil auf teure Ölimporte verzichten.

Zu den von der UNO untersuchten 19 Entwicklungsländern mit dem größten Potenzial gehören laut Studie Nicaragua, die Mongolei und Vietnam mit je 40 Prozent der Landesfläche. Die schlechtesten Aussichten gebe es in Ländern wie Bangladesch, Kuba und Ghana.

Für die neuen Windkarten wurden unter anderem Daten von Satelliten und Ballons ausgewertet. In der Vergangenheit waren eher Daten aus Messstationen herangezogen worden, die zum Teil zu dicht an Bäumen oder Gebäuden installiert waren, wodurch die Winddaten verfälscht wurden.

Klimaschutz-Satelliten

Ebenfalls auf Satelliten stützt sich ein Programm zu Klimaschutz und Katastrophenvorsorge, das derzeit Vertreter jener 17 Staaten beraten, die Mitglieder der Europäischen Raumfahrtagentur ESA sind. Ziel der viertägigen Konferenz in Berlin ist, Europas Raumfahrt stärker auf wissenschaftliche Entdeckungen und die Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit in der europäischen Industrie auszurichten.

230 Millionen Euro hat die EU-Kommission zusammen mit der ESA in das Programm GMES (Global Monitoring for Environment and Security) gesteckt. Das System soll auch frühzeitig vor Tsunamis warnen können. Die Kommission geht davon aus, dass es "angesichts der Natur- und der von Menschenhand gemachten Katastrophen einen gestiegenen Bedarf für GMES gibt".

Bei der Weltklimakonferenz selbst herrscht zur Halbzeit Zufriedenheit darüber, dass die 150 Mitgliedstaaten des Kyoto-Protokolls das dazugehörige Regelwerk angenommen haben. Doch die schwierige Arbeit beginnt erst. Die Vertreter der Staaten streiten heftig darüber, ob ein Abschlusspapier der Konferenz einen Verhandlungsprozess einleiten soll, der zu bindenden Treibhausgaszielen führt. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 6. 12. 2005)

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