Schüssel: Versöhnungsfonds ist Geste des Respekts

6. Dezember 2005, 15:55
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Letzte Sitzung des Kuratoriums - Namensdokumentation sämtlicher Opfer des Nazi-Regimes soll finanziert werden

Wien - Zum Abschluss der Arbeit des Versöhnungsfonds hat Bundeskanzler Wolfgang Schüssel (V) Montagnachmittag die von Österreich geleisteten Entschädigungszahlungen an ehemalige Sklaven- und Zwangsarbeiter als "Geste des Respekts und der Solidarität" bezeichnet. Im Rahmen der letzten Kuratoriumssitzung erklärte der Kanzler, die Zahlungen seien zudem eine "zutiefst humanistische Aktion" gewesen, da viele NS-Opfer nach dem Zweiten Weltkrieg in ihren Heimatländern vergessen und zum Teil verfolgt worden seien.

Kein österreichisches Problem

Schüssel betonte weiters, nach 1945 sei 55 Jahre lang das Schicksal der Sklaven- und Zwangsarbeiter nicht als ein österreichisches Problem gesehen worden. Heute gebe es einen umfassenden Konsens, dass Österreich auch für diese Opfergruppe Verantwortung trage - nicht zuletzt auf Grund der Mittäterschaft vieler Österreicher im NS-Regime. Daher sei im Jahr 2000 auch das Versöhnungsfondsgesetz im Nationalrat einstimmig beschlossen und der Fonds mit sechs Milliarden Schilling bzw. 467 Millionen Euro eingerichtet worden. Nach der Auszahlung von rund 352,6 Mio. Euro sei aus den verbliebenen Mitteln ein Stipendienfonds für die Nachkommen der Opfer eingerichtet worden. Weiters werde ein Zukunftsfonds zur Unterstützung konkreter Projekte zur Versöhnung geschaffen. Das entsprechende Gesetz wird der Nationalrat morgen, Dienstag, beschließen.

Namensdokumentation sämtlicher Opfer

In der Pressekonferenz nach der letzten Kuratoriumssitzung berichtete Schüssel, dass einstimmig beschlossen wurde, eine Namensdokumentation sämtlicher Opfer des Nazi-Regimes zu finanzieren. Beauftragt wurde dafür das Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstands und das Vogelsang-Institut. Weiters wurden eine Klubförderung für jüdische Mitbürger in Israel und eine Förderung für die Stiftung Hartheim in Oberösterreich beschlossen. "Die Arbeit hat sich wirklich gelohnt", so das Resümee des Kanzlers nach fünf Jahren Versöhnungsfonds.

Der Vorsitzende des Fonds, Ludwig Steiner, betonte in der Pressekonferenz, Ziel der Arbeit sei gewesen, jeden ehemaligen Sklaven und Zwangsarbeiter zu erreichen. Sollten noch unerledigte Fälle auftauchen, werde der Versöhnungsfonds wieder zusammentreten. (APA)

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