Geldsuche ist auch Glückssache

15. Oktober 2006, 19:07
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Austria Wiens Sponsor­beauftragte Robert Lei­ther und Pierre Lopper über Kasinos, Misstrauen und Vorurteile

Wien - "Dort war nie ein Sexklub", sagt Robert Leither missvergnügt. "Das können wir beweisen." Leither und sein Partner Pierre Lopper haben unter einem Artikel der Gratiszeitung Heute (30. 11.) gelitten, in welchem dem von Leither/Lopper an die Austria zwecks Sponsoring und an die Savaria Cash Glücksspiel GmbH, 1066 Budapest, Jokai M. u 31 (Firmenregister Nr.: 01-09-720001) zum Kauf vermittelten Kasino in Szombathely ein Sexklub zugeordnet wird. Leither/Lopper haben an die AHVV Verlags GmbH, die Heute betreibt, ein Begehren um Gegendarstellung und Unterlassung abgeschickt.

Inklusive des Vorbehalts, "etwa im Falle des Verlusts der Sponsorengelder" eine Entschädigung nach Mediengesetz von bis zu 50.000 Euro geltend zu machen - sagen Lopper und Leither, der vom Austria-Präsidium zum "Konsulenten für die Sponsorensuche" (samt Provision im Erfolgsfall) ernannt wurde. Laut Leither wurde der Betrieb des (derzeit im Umbau befindlichen) Kasinos, wie vom Gesetz vorgeschrieben, mit Kameras überwacht. Die Bänder wurden "jede Woche vom ungarischen Staat kontrolliert". Mit ihnen könne man beweisen, dass im Kasino keine Damen vermittelt wurden. (Bei der Gratiszeitung Heute war Montag kein Brief von Leither/ Lopper eingelangt).

Leither: "Wir haben den Sponsorendeal mit den Vorbesitzern des Kasinos abgeschlossen, der Käufer hat das Sponsorenpaket mitgenommen." Wie sie den (demnächst zu finalisierenden) Verkauf eines ungarischen Kasinos vermitteln konnten? Geschäftsgeheimnis.

Leither/Lopper legten dem STANDARD Papiere vor, denen zufolge der Glücksspieltempel in Szombathely nicht in Konkurs ging, sondern vom ungarischen Staat "gesperrt" wurde. Der Unterschied? Der Verkäufer des Kasinos, Roland Kretschmer, habe durch den Frankfurter Börsencrash Ende der Neunzigerjahre 40 Millionen Mark (rund 20 Millionen Euro) verloren, sein Bruder ungefähr gleich viel.

Liquiditätsreserve

Leither: "Daher hat ihm die für das Führen eines Kasinos vorgeschriebene Liquiditätsreserve gefehlt. Der ungarische Staat hat alle Schulden fällig gestellt, Kretschmer hat gezahlt." Obwohl er sofort neue Teilhaber und die notwendige Liquidität angeboten habe, sei das Kasino vom Staat zugesperrt worden.

Schließlich wurde ein Vergleich zwischen Kretschmer und Ungarn geschlossen, die Kündigung des Konzessionsvertrages zurückgezogen. Kretschmers "Casino Szombathely KFT fa" muss "statt der vorgeschriebenen 40 Prozent nur 30 Prozent Steuern zahlen, die Konzessionsgebühr von 200.000 Euro wird in den ersten drei Jahren der Konzessionsfrist von acht Jahren erlassen," sagt Leither.

Die Savaria bestellte bei der Firma Novomatic Chips, Roulettetische, Automaten und andere betriebsnotwendige Sachen, das Kasino sperre am 1. 4. 2006 auf, sagt Lopper. Warum die Savaria (der alte römische Name für Szombathely) der Austria geradezu märchenhaft unglaubliche zwölf Millionen Euro pro Jahr fünf Jahre lang zahlen will? Leither/Lopper: "Die Savaria Cash ist interessiert, in Rothneusiedl neben dem neuen Stadion ein Kasino zu errichten." Die Leiberlbrust der Austrianer erscheine der Savaria als ein geeigneter Platz, um ihre ehrenwerten Absichten zu beweisen. Immerhin wirbt der KAC für das Hotel Casino in Kranjska Gora.

Das Gesetz des Handelns schreibt Wiens Bürgermeister Michael Häupl, der im STANDARD verkündete, Frank Stronach als Investor für Austrias neues Haus gewonnen zu haben. Leither/Lopper wollen in Häupls Kielwasser Partner für Austria/Stronach/Wien aufstellen - an einem für die Stadtentwicklung sensiblen Fleck, der Häupl kraft seines Amtes, für die Austria und wegen wirtschaftlicher Notwendigkeiten am Herzen liegen muss. (Johann Skocek; DER STANDARD Printausgabe 5. Dezember 2005)

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    Wohin rollt die violette Kugel?

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