Hallstatt sucht die Erleuchtung im Spiegel

8. Dezember 2005, 19:16
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Tiroler Lichtprojekt gefällt im Salzkammergut – Rattenberg ist die Sonne aber zu teuer

Hallstatt/Rattenberg – Hallstatt hat auch seine dunklen Seiten. In der Wintermonaten lässt sich die Sonne in so manchen Ortsteilen des Weltkulturerbes im Salzkammergut zum Leidwesen der Bewohner über drei Monaten nicht blicken. Jetzt hat man in Hallstatt einen (Licht-)Blick ins Tiroler Rattenberg gewagt, denn auch Österreichs kleinste Stadt pflegt im Winter großteils ein Schattendasein.

Im Juli des heurigen Jahres – DER STANDARD berichtete – fasste man in Rattenberg dann den Entschluss Licht ins Dunkel zu bringen. Passieren könnte dies mittels eines spektakulären Spiegelprojekts des Innsbrucker Lichtpioniers Christian Bartenbach. Ähnliches überlegt man jetzt auch in Hallstatt. "Bereits seit Jahrzehnten ist der Sonnen-Mangel bei uns Thema. Vor allem für Zugezogene ist der Win-‑ ter problematisch", erzählt‑ der Hallstätter Bürgermeister Peter Scheutz (SPÖ) im STANDARD-Gespräch. Im Internet sei man jetzt über die so genannte Sonnenbrücke für Rattenberg gestolpert und werde nun prüfen, ob ein Spiegel auch Hallstatt erhellen könnte. "Es wird jetzt einmal ein erstes Gespräch mit den Tirolern geben", gibt sich Scheutz noch skeptisch.

Finanzierung wackelt

Vor allem wolle man prüfen, ob man mit den Spiegel auch einen "Sonnen-Wellness-Flair" erzeugen könne, denn "nur eine paar Lux heller sind uns zu wenig", betont Scheutz. Auch das Bürgermeister-Haus wird jährlich vom 2. November bis zum 6.Februar von der Sonne gemieden.

Vom wohligen Sonnen-Erlebnis ist man in Rattenberg aber noch weit entfernt. "Die Umsetzung ist keineswegs gesichert. Mit der Finanzierung wird es schwierig werden", sieht Bürgermeister Franz Wurzenrainer noch kein Licht am Ende des Tunnels. Die veranschlagten Kosten für die 30 Riesen-Spiegel, die das Sonnenlicht in einem nahen Ort einfangen und auf bewegliche Aluminiumreflektoren an die Außenmauer der mittelalterlichen Rattenberg-Festung leiten sollen, liegen bei rund zwei Millionen Euro. "Viel zu viel für uns, eigentlich können wir kaum was beisteuern. Aber es ist nicht so tragisch, dann bleibt es halt weiter finster".

Im "Bartenbach LichtLabor" laufen die zur Hälfte mit EU- Geldern finanzierten Vorbereitungen für das Spiegelprojekt dennoch auf Hochtouren. "Mitte des Jahres haben wird die Entwicklung abgeschlossen", erzählt Geschäftsführer Markus Peskoller. Dass die Realisierung an der Rattenberger Stadt-Kasse scheitern könnte, bringt Peskoller nicht aus der Ruhe: "Wir entwicklen ein Projekt und bieten es am Markt an. Wenn Rattenberg abspringt, uns rennen etliche andere Orte die Türe ein". (DER STANDARD-Printausgabe 06.12.2005)

Markus Rohrhofer
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