Britischer Verteidigungsminister: Rückzug aus dem Irak könnte 2006 beginnen

7. Dezember 2005, 22:37
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Nach erneutem Entführungsfall in Bagdad Reisewarnung Frankreichs

London/Bagdad/Frankfurt - Der britische Verteidigungsminister John Reid hat einen möglichen Beginn des Rückzugs aus dem Irak für das kommende Jahr angekündigt. Möglicherweise könnten die irakischen Sicherheitskräfte dann im Süden des Landes die Kontrolle übernehmen, sagte Reid am Montag in London. Er räumte zwar Probleme wie Korruption bei der Ausbildung von irakischen Soldaten und Polizisten ein, betonte jedoch, dass der Prozess grundsätzlich zufrieden stellend verlaufe.

Unterdessen ist am Montag im Irak erneut ein westlicher Ausländer verschleppt worden. Der französische Ingenieur Bernard Planche wurde in Bagdad entführt, wie das Innenministerium in Paris bestätigte. Er war nach Angaben des Pariser Außenministeriums für die Nicht-Regierungsorganisation AACCESS tätig. Der Mann sei von der französischen Botschaft in Bagdad über die Gefährdung seiner Sicherheit informiert worden, sagte Ministeriumssprecher Jean-Baptiste Mattei. Planche sei aufgefordert worden, entweder das Land zu verlassen oder, falls nicht, zumindest in Kontakt mit der Botschaft zu bleiben.

Die französische Botschaft stehe in engem Kontakt mit den irakischen Behörden, um Planches Freilassung zu erreichen. Nach Angaben der Bagdader Polizei wurde der Franzose in der Früh von unbekannten Bewaffneten abgefangen, als er zur Arbeit in einem Wasserwerk fahren wollte. Frankreich gab anschließend eine Reisewarnung für den Irak heraus. "Es ist grundsätzlich nicht empfehlenswert, eine solche Reise zu unternehmen", sagte Premierminister Dominique de Villepin.

Die Familie der vor zehn Tagen entführten Deutschen Susanne Osthoff richtete unterdessen erneut einen eindringlichen Appell an die Geiselnehmer, der auch in Arabisch und Kurdisch verbreitet werden sollte. Der Zentralrat der Muslime in Deutschland rief dazu auf, den Entführungsfall bei der Gipfelkonferenz der islamischen Staaten am 7. und 8. Dezember in Mekka zu behandeln. Der Vorsitzende des Zentralrats, Nadeem Elyas, bat um Intervention aller Staatsoberhäupter zur Freilassung Osthoffs und ihres Fahrers. Die Führer der islamischen Welt sollten ein "deutliches Signal gegen Missbrauch der friedliebenden Lehre des Islam durch Verbrecher" setzen. (APA/AP)

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