Behinderte: Parteien sehen einheitlich Handlungsbedarf

6. Dezember 2005, 14:10
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Betroffene wollen nicht als "geistig behindert" abgestempelt werden

Wien - Die vier Parlamentsfraktionen haben sich am Montag einhellig für mehr Rechte für "Menschen mit intellektueller Behinderung" ausgesprochen. Bei einer Veranstaltung zu diesem Thema im Parlament äußerten die Behindertensprecher der Parteien sowie Vertreter von Behindertenorganisationen den Wunsch, die Anliegen der Betroffenen nicht nur in der Vorweihnachtszeit, sondern das ganze Jahr ernst zu nehmen.

Forderungen

ÖVP-Behindertensprecher Franz Joseph Huainigg forderte, dass kein Arzt die Behandlung eines Behinderten verweigern dürfe. Er kritisierte auch, dass Beschäftigungstherapie in Österreich nicht als Arbeit angesehen und somit auch nicht entlohnt werde. Auch die Grüne Abgeordnete Theresia Haidlmayr trat dafür ein, behinderte Menschen in Beschäftigung als Dienstnehmer anzusehen und sie damit sozialversicherungsrechtlich abzusichern.

Helene Partik-Pable (F) verwies "als Mutter einer behinderten Tochter auf die Rolle von Angehörigen" im Rahmen der Betreuung behinderter Menschen. "Behinderte Personen sollten dort alt werden, wo sie gelebt haben", so Partik-Pable. SP-Behindertensprecherin Christine Lapp forderte einen "Fahrplan" für die Besserstellung von Behinderten. Als "wichtiges Anliegen" nannte sie die Integration über die Pflichtschule hinaus, sprich an höheren Schulen sowie im Beruf.

Betroffene

Die Betroffenen selbst erklärten, nicht als geistig Behinderte abgestempelt werden zu wollen. Menschen mit intellektueller Behinderung seien zuallererst Menschen und in zweiter Linie Behinderte, so die Bewegung People First. Germain Weber, Präsident der Lebenshilfe Österreich, betonte, mit der Veranstaltung wolle man eine Personengruppe in den Vordergrund stellen, "die früher oft vergessen und disloziert wurde und der man in Österreich zwischen 1938 und 1945 das Lebensrecht abgesprochen hat". Dem NS-Regime fielen mehr als 70.000 Menschen mit geistiger Behinderung zum Opfer.

Regierung

Sozialministerin Ursula Haubner (B) verwies unterdessen in einer Aussendung auf die von der Regierung initiierte Behindertenmilliarde sowie auf die ab 1. Jänner 2006 geltende Barrierefreiheit für Neubauten und Generalsanierungen.

Die Tagung im Parlament fand auf eine Initiative der Lebenshilfe Österreich statt und wurde gemeinsam mit Caritas Österreich, Diakonie Österreich, der Elterninitiative "Integration: Österreich", Jugend am Werk und "Vienna People First" durchgeführt. (APA)

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