Swisscom-Spitze übt scharfe Kritik am Schweizer Regierung

12. Dezember 2005, 14:04
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Konzernchef und AR-Vorsitzender: Entscheid "unqualifiziert" - Konsterniert und persönlich betroffen von "Njet" zu teuren Auslandsengagements

Die Swisscom-Spitze hat die Schweizer Regierung in scharfen Tönen kritisiert. Ihre Entscheidung gegen Auslandengagements seien "unqualifiziert" und in Verkennung der Realitäten.

"Njet"

Swisscom-Verwaltungsratspräsident Markus Rauh und Konzernchef Jens Alder zeigten sich in ihrer ersten Stellungnahme nach dem "Njet" des Bundesrates - der Schweizer Regierung - zu teuren Auslandengagements enttäuscht über das Vorgehen des Mehrheitsaktionärs.

"Ich bin erstaunt und konsterniert, dass der Bundesrat, dem die Swisscom in den vergangenen Jahren mehr als zehn Mrd. Franken (6,48 Mrd. Euro) in die Kasse geschwemmt hat, die Swisscom über Nacht als bedrohliche Altlast behandelt, die man lieber heute als morgen los ist", sagte Rauh in Zürich vor den Medien.

"Kräftig ausmelken

Doch zuvor wolle die Regierung die Swisscom noch "kräftig ausmelken". Die Swisscom werde vom Bundesrat "indifferenziert" zum potenziellen Swissair-Sanierungsfall abgestempelt und werde "bevormundet und bevogtet".

Es treffe ihn persönlich, wenn die Swisscom "mit pauschalen Vorwürfen" in der Öffentlichkeit schlecht gemacht werde, sagte Jens Alder.

"Unqualifiziert"

"Hier handelt es sich um ein Njet zu Eircom", sagte Rauh. Die Argumente gegen die Beteiligung an der irischen Gesellschaft seien "unqualifiziert". Er werte sie als politischen Entscheid.

Im Gegensatz zur Entscheidungsfindung der Regierung sei das Dossier Eircom bereits seit einem Jahr auf dem Tisch. Dem Übernahmeversuch sei eine sorgfältige Prüfung vorausgegangen. Der Bundesrat sei über sämtliche Schritte informiert gewesen, sagte Rauh.

Auslandstrategie

Auch bei anderen Projekten wie der Telekom Austria oder der Cesky habe der Bundesrat die Auslandstrategie der Swisscom gestützt. Swisscom hatte zuletzt im August 2004 versucht, Telekom Austria unter seine Fittiche zu nehmen, und war dabei genauso wie bei Frühjahr 2005 bei der tschechischen Cesky Telecom leer ausgegangen.

Internationale Vernetzung

Alder betonte, dass das Schweizer Geschäft langfristig nur durch Auslandinvestitionen gesichert werden könne. Schon heute sei Swisscom international vernetzt. Swisscom werde die Strategie im Kerngeschäft weiterführen.

Vom Bundesrat erwartet die Swisscom nun, dass er bis Ende dieses Jahres die für 2006 bis 2009 geltenden strategischen Ziele formuliert. Danach wird der Swisscom-Verwaltungsrat die neuen Vorgaben analysieren und beurteilen welche "Personen zur Umsetzung der Strategie" in Frage kommen. Bis dahin behalten Alder und Rauh das Ruder der Swisscom in ihren Händen.(Apa)

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