Finanzjongleur Icahn sagte Time-Warner-Kontrolleuren den Kampf an

13. Dezember 2005, 10:19
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Drohung gegen Aufsichtsräte wegen Deal mit AOL - Time Warner verhandelt mit Microsoft und Google über mögliche Beteiligung

Der Kampf des amerikanischen Firmenaufkäufers Carl Icahn um die Kontrolle über das Medienunternehmen Time Warner Inc wird von Tag zu Tag härter. Zuletzt hat Icahn den Mitgliedern des widerspenstigen Aufsichtsrates damit gedroht, er werde sie persönlich haftbar machen, wenn sie einem Geschäft mit American Online Inc (AOL) zustimmen, das die Internet-Tochter zu niedrig bewertet.

Microsoft und Google

US-Presseberichten zufolge verhandelt Time Warner sowohl mit Microsoft Corp als auch mit Google Inc über eine mögliche Beteiligung des einen oder anderen am weltweit beliebtesten Internet-Portal. Icahn geht es vor allem darum, den stagnierenden Aktienkurs des mit hohen Schulden beladenen Time-Warner-Konzerns anzuheben. Dies glaubt er durch eine Restrukturierung erreichen zu können.

Zu billig

Den Time-Warner-Lenkern wirft er vor, sie hätten den Musikkonzern Warner Music zu billig verkauft und für AOL zuviel bezahlt. Er bezeichnete den Konzern als eine "aufgeblasene Bürokratie," die abgespeckt werden müsse. Hierdurch könnten die Kosten um 400 Mio. Dollar (342 Mio. Euro) im Jahr gesenkt werden, rechnet er vor. Icahn ist zuversichtlich, dass die von ihm vorgeschlagenen Kandidaten für den Verwaltungsrat auf der Aktionärsversammlung im Sommer 2006 mehrheitsfähig sind.

Vorige Woche hat er den Investmentbanker Bruce Wasserstein und dessen Wall-Street-Bank Lazard Ltd beauftragt, neue strategische Möglichkeiten für den Medienkonzerns zu prüfen. Der 57 Jahre alte Dealmacher, der Lazard seit Jänner 2002 führt, war Strippenzieher bei vielen anderen Zusammenschlüssen und Übernahmen gewesen. Zu seinen Erfolgen gehört die Fusionierung der Investmentbank Morgan Stanley mit dem Maklerunternehmen Dean Witter im Jahr 1997.

Verantwortung

Icahn behauptet, Time Warner stehe kurz davor, ein für das Unternehmen ungünstiges Geschäft abzuschließen, weil die Führungsriege keine anderen potentiellen Käufer an den Verhandlungstisch lasse. "Ich werde den Verwaltungsrat persönlich dafür verantwortlich machen, wenn er AOL mit den falschen Begründungen verkauft", sagte Icahn. Eine Time-Warner-Sprecherin gab keine Stellungnahme ab.

Kampagne

Icahn begann die Kampagne gegen Time Warner im August. Die Drohung gegen den Verwaltungsrat und das Engagements Wassersteins sind seine jüngsten Versuche, die Kontrolle über Time Warner an sich zu reißen. Das Syndikat fordert einen Aktienrückkauf im Wert von 20 Mrd. Dollar und die Ausgliederung der Kabeltochter Time Warner Cable. Zu Time Warner gehören außerdem der Nachrichtensender CNN, das Bezahl-Fernsehen Home Box Office und das Nachrichtenmagazin Time.

Time-Warner-Aktienkapital

Anfang November hat Time Warner Pläne für eine Erhöhung des bereits angekündigten Aktienrückkaufs auf 12,5 Mrd. Stück von fünf Mrd. angekündigt, doch von der Ausgliederung der Kabelfernsehtochter war nicht die Rede. Zusammen mit einer Investorengruppe hat Icahn inzwischen fast drei Prozent des Time-Warner-Aktienkapitals akquiriert und will weitere Papiere kaufen.

Am Freitag schlossen Time Warner an der New York Stock Exchange bei 18,27 Dollar. Nach Icahns Berechnung ist der Titel mindestens 27 Dollar wert. Spekulationen über die Zerschlagung von Time Warner kursieren an der Wall Street seit geraumer Zeit. Citigroup-Analyst Jason Bazinet schlägt eine Aufspaltung in vier Teile vor. Ihren bisherigen Äußerungen zufolge halten Time Warners Manager nichts von dieser Idee.

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