"Das kann uns positiv stimmen"

20. Dezember 2005, 11:51
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Die Nationalbank erwartet ein Wachstum von 2,3 Prozent für die Jahre 2006 und 2007 - Damit sollte Österreich seinen Vorsprung gegenüber dem Euroraum beibehalten

Wien - "Wir sind optimistisch, dass der Optimismus, den wir verbreiten, auch tatsächlich eintritt", sagt Peter Mooslechner, Leiter der volkswirtschaftlichen Abteilung in der Nationalbank zur neuesten Konjunkturprognose seines Hauses. Hintergrund ist: Nach fünf Jahren, in denen die Wirtschaftsvorhersagen immer nur eine Richtung kannten - jene nach unten - ist die neue Nationalbank-Prognose die erste, die zumindest für die Jahre 2006 und 2007 minimal (um 0,1 Prozentpunkte) angehoben werden konnte.

Berauschend wird das Wirtschaftswachstum dennoch nicht ausfallen: Lag es im Vorjahr bei 2,4 Prozent, so sinkt es heuer auf 1,9 Prozent und erholt sich erst 2006 und 2007 auf jeweils 2,3 Prozent. Da will klarerweise niemand von einem Boom sprechen, von einem Aufschwung vielleicht, von einer Erholung schon eher.

Denn das sind Wachstumswerte, die nicht ausreichen, um die Rekordarbeitslosigkeit in Österreich nennenswert zu reduzieren. Wohl aber "behält Österreich seinen Wachstumsvorsprung gegenüber dem Euroraum", betont Nationalbank-Gouverneur Klaus Liebscher. Nachsatz: "Das kann uns positiv stimmen."

Weniger positiv stimmt, dass der Euroraum als Ganzes weit hinter der brummenden Weltkonjunktur zurückbleibt. Global gesprochen liegen die Wachstumsraten im Durchschnitt bei nahezu fünf Prozent, in Europa ist jeder froh, wenn er über zwei Prozent zu liegen kommt.

Konsum springt an

Teilt man die Annahmen der Notenbanker, wird jedenfalls in Österreich 2006 und 2007 vor allem die Inlandsnachfrage, die sich aus privatem Konsum und den Investitionen ergibt, anspringen. Hauptargumente dafür sind laut Notenbank-Direktor Josef Christl die steigende Beschäftigung, erzielte Lohnzuwächse, die sinkende Inflationsrate sowie die Entlastungseffekte aus der Steuerreform, die heuer aufgrund des gestiegenen Ölpreises de facto wieder wegbesteuert wurden.

"Wir sehen klar, dass sich die Inlandsnachfrage zunehmend festigt. Das ist ein klassisches Zeichen für einen sich selbst tragenden Aufschwung", sagt Christl.

Stark bleibt auch die Wettbewerbsfähigkeit der Exportwirtschaft. Die Lohnstückkosten sind in den letzten Jahren um 20 Prozent gegenüber der Hauptkonkurrenz in Westeuropa gesunken, außerdem hilft ausfuhrseitig das Ende der Euro-Aufwertung gegenüber dem US-Dollar.

Arbeitsmarkt bleibt Sorgenkind

Der Arbeitsmarkt bleibt in jeder Hinsicht das Sorgenkind der österreichischen Wirtschaft, wenn auch die Notenbanker betonen, dass dadurch der Druck auf allzu hohe, inflationstreibende Lohnabschlüsse vermindert wird. Zwar wird auch 2006 und 2007 ein Beschäftigungswachstum von jährlich rund einem Prozent erwartet, was knapp mehr als 30.000 neuen Jobs entspricht. Doch das Arbeitskräfteangebot steigt derart kräftig, dass es frühestens 2007 zu einer minimalen Reduktion der Arbeitslosigkeit kommen könnte.

Hinter dem Terminus "steigendes Arbeitskräfteangebot" verbergen sich zum größten Teil Frauen, Ältere, und ausländische Arbeitskräfte, die auf Arbeitssuche sind. OeNB-Direktor Christl spricht von einem "Ermutigungseffekt", andere Experten sagen, diese Gruppen würden nicht ermutigt, sich einen neuen Job zu suchen, ihnen bliebe schlicht nichts anderes übrig. (Michael Bachner, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 06.12.2005)

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    Nationalbank-Chef Klaus Liebscher freut Österreichs Wachstumsvorsprung gegenüber der Eurozone, die an Deutschlands und Italiens Wachstumsraten leidet.

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