Detaillierte Zeugenaussage im Prozess gegen Saddam Hussein

6. Dezember 2005, 14:16
17 Postings

Mitglied der schiitischen Dawa-Partei schilderte Folter und Tötungen in Dujail

Bagdad/Tikrit - Mit detaillierten Aussagen eines ersten Zeugen ist am Montag der Prozess gegen den früheren irakischen Machthaber Saddam Hussein fortgesetzt worden. Teilweise unter Tränen schilderte Ahmed Hassan Mohammed al-Dujaili vor Gericht in Bagdad, wie Sicherheitskräfte nach einem Attentatsversuch auf den damaligen Präsidenten 1982 in seinem Dorf Dujail Bewohner gefoltert und getötet hätten. Saddam Hussein selbst unterbrach die Zeugenaussage mit Zwischenrufen.

Nach dem gescheiterten Attentat in Dujail sei eine große Zahl von Soldaten ins Dorf gekommen, "als ob Krieg wäre", berichtete der Zeuge, der ein bekanntes Mitglied der schiitischen Dawa-Partei ist. Sicherheitskräfte der benachbarten Provinz Salaheddin hätten über eine Ausgangssperre gewacht, während Mitarbeiter des Geheimdienstes Haus für Haus durchsucht hätten.

140 Tote

Mehrere seiner Nachbarn seien festgenommen und getötet worden. "Ein Freund von mir wurde misshandelt." Der Mann sei vor seinen Augen hingerichtet worden. Er habe die Leichen mehrerer Bekannter gesehen, die teils bis zur Unkenntlichkeit entstellt gewesen seien, berichtete der Zeuge. Er habe einen Häcksler gesehen, aus dem Blut rann, darunter sei Menschenhaar gelegen. Bei dem Massaker in Dujail waren damals mehr als 140 Buben und Männer getötet worden.

Die Verteidigung argumentierte anschließend, der Zeuge könne unmöglich so viele Details noch wissen - er habe anscheinend die Akten studiert und auswendig gelernt. Sie warf ihm ferner vor, viele fehlerhafte Angaben gemacht zu haben. Saddam Hussein und sein Halbbruder fielen dem Zeugen mehrmals ins Wort.

Es war die erste Aussage eines Zeugen vor dem Gericht in der streng bewachten "Grünen Zone" in Bagdad. Andere Zeugen in dem Prozess sollen aus Sicherheitsgründen hinter einem Vorhang sitzend befragt werden.

Saddam Hussein: "Habe keine Angst vor Hinrichtung"

Saddam Hussein hat vor Gericht ausgesagt, keine Angst vor der Todesstrafe zu haben. "Ich habe keine Angst davor hingerichtet zu werden", sagte er am Montag vor Gericht in Bagdad. "Ich habe keine Angst vor der Todesstrafe." Es stimme ihn jedoch traurig, dass einer seiner "Söhne" gegen ihn, der 30 Jahre seinem Land gedient habe, aussage, sagte Saddam Hussein mit Blick auf die erste Zeugenaussage in dem Prozess gegen ihn am Montag.

Die Anschuldigungen, die der Zeuge Hassan Mohammed el Dudjaili gegen ihn vorgebracht habe, seien "lachhaft". Die "Angelegenheit" werde hochgespielt. Jeder Staatschef, gegen den ein Attentat versucht werde, habe das Recht die Angreifer zur Rechenschaft zu ziehen.

Er selbst sei nicht wichtig, sagte der ehemalige Machthaber. "Saddam wird gehen und ein anderer wird kommen und ihn ersetzen. Das hat keine Bedeutung." Was zähle, seien der Irak und die "arabische Nation", die "im Angesicht der Ungerechtigkeit" ihren Stolz bewahren müssten.

Saddam Hussein und seinen Mitangeklagten wird vorgeworfen, das Massaker aus Rache für einen Attentatsversuch 1982 angeordnet zu haben. Bei einem Schuldspruch droht ihnen die Todesstrafe. Der gestürzte Staatschef hat stets seine Unschuld beteuert und die Legitimität des Gerichts in Frage gestellt. (APA/dpa)

Share if you care.