In der Zwickmühle

4. Dezember 2005, 19:13
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Ein Kommentar zur Kärntner Koalition - Von Elisabeth Steiner

Dass die so genannte Kärntner Chianti-Koalition nach der Wahl Gaby Schaunigs zur neuen SPÖ-Vorsitzenden in turbulentes Fahrwasser geraten würde, war klar. Von Anfang an hat sie - anders als ihr Vorgänger Peter Ambrozy - strikte und kritische Distanz zu Jörg Haider und seinem BZÖ zum Ausdruck gebracht. Die einst in Weinlaune begossene Koalition ist längst zum Arbeitsverhältnis, das es "abzuarbeiten" gilt, heruntergebrochen. Und sie taumelt von einer Krise in die andere. Das hat auch damit zu tun, dass der Nationalratswahlkampf 2006 in Kärnten bereits lange Schatten wirft.

In diesem Kontext ist auch Haiders Kampagne gegen Schaunigs Mann zu sehen. Hans Schaunig wird vorgeworfen, für eine "veraltete unbrauchbare" Tonanlage "Millionen" (Schilling) kassiert zu haben, die seine Firma, für die er als Prokurist tätig ist, für die Klagenfurter Seebühne geliefert hatte, während seine Frau eben diese Anlage heftig kritisierte. Die Tatsache, dass die orangen Anwürfe längst widerlegt sind (die Elektronikfirma PKE erhielt den Auftrag obendrein nach einer korrekten Ausschreibung als Bestbieter und auch der Kärntner Rechnungshof fand keine Beanstandung des Geschäftes), hindert Haider nicht, in ganzseitigen Zeitungsinseraten nachzulegen.

Die tief ins persönliche gehende Attacke auf die Familie Schaunig verrät jedoch viel über Haiders eigene Schwäche. In der Zwickmühle zwischen einer neuen, selbstbewussten SPÖ und der Alt-FPÖ um Heinz-Christian Strache, der ihm auch im Kärntner national-freiheitlichen Lager zusehends das Wasser abgräbt, muss der BZÖ-Gründer in Kärnten das Grundmandat schaffen, damit die Orangen im Bund überleben können. Gelingt das nicht, dann wird auch die Kärntner orange-rote "Arbeitskoalition" bald Geschichte sein. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 5.12.2005)

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