Interview: "Niederlage für den Fußball"

5. Dezember 2005, 19:33
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Martin Pucher, der die Geschäfte der österreichischen Bundesliga führt, im STANDARD-Interview über Frank Stronachs Abschied und die Zukunft der Liga

Standard: Herr Pucher, seit Freitag sind Sie interimistisch Bundesligapräsident. Kann es sein, dass Sie über den Februar hinaus im Amt bleiben?
Pucher: Nein, sicher nicht. Seit anderthalb, zwei Jahren war klar: Wenn Stronach geht, gehe ich auch. Er ist die beste Galionsfigur für den österreichischen Fußball, nämlich wirklich unabhängig. Seinen Rückzug empfinde ich als eine Niederlage für die Bundesliga und den Fußball insgesamt. Ich habe auch versucht, ihn umzustimmen. Aber ein Mann wie er hat es nicht notwendig, sich ständig ans Bein pinkeln zu lassen. Umso erstaunlicher, dass er jetzt ohne Groll geht.

STANDARD: Hatte Frank Stronach einen Wunschkandidaten als Nachfolger?
Pucher: Stronach wollte, dass ich das mache. Ich habe mir das auch gründlich überlegt. Aber am Donnerstag habe ich abgesagt, definitiv.

STANDARD: Rapid und Sturm wünschen sich einen vereinslosen Stronach-Nachfolger. Auch ein unter den Vereinen rotierender Vorsitz steht zur Debatte. Wie geht es jetzt weiter bis zur Wahl im Februar?
Pucher: Wir müssen wieder zur Sachlichkeit zurückkehren. Über Weihnachten werden wir versuchen, den größten gemeinsamen Nenner zu erarbeiten. Aber falls das nicht gelingt, werden wir uns Zeit lassen. Denn hudeln sollte man in dieser Frage auf gar keinen Fall.

STANDARD: So wie es im Moment aussieht, scheiden sich aber gerade an der Präsidentenfrage die Geister der Liga scharf.
Pucher: Das mag sein. Aber die Bundesliga hat in den vergangenen Jahren einige große Brocken gehoben. Das zeigt, dass sie in wichtigen Fragen zusammenarbeiten kann, zu guten Lösungen kommt. In der Präsidentenfrage wird das nicht anders sein.

STANDARD: Wenn die gelöst ist, wo wird Martin Pucher dann sein?
Pucher: In Mattersburg beim SV. Dort also, wo mein Herz zu Hause ist.

(Mit Martin Pucher sprach Wolfgang Weißgram - DER STANDARD PRINTAUSGABE 25.12. 2005)

Zur Person

Martin Pucher (49) ist Ob- mann des SV Mattersburg und als geschäftsführender Vizepräsident der Fußball- Bundesliga interimistischer Nachfolger von Frank Stro- nach.

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