Das große Finale

5. Dezember 2005, 19:33
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Kronsteiner/Polster wer­den gegangen, Stöger/ Schinkels kommen. Rapid wird Meister. Stronach versichert zu bleiben, und haut den Hut drauf

Wien - Frank Stronach und Magna werden im Horr-Stadion mittlerweile fortwährend auf Transparenten und in Sprechchören (ein feinerer: "Kauf dir Pferde, lass uns doch in Ruh") beschimpft und verhöhnt. Es macht keinen Unterschied, ob die Austria gewinnt oder verliert. Rapid sichert sich überraschend den Meistertitel 2004/05, Rapid und die Austria erreichen das Cupfinale. Polster und Stronach unterhalten sich am 23. Mai in Oberwaltersdorf über die Zukunft der Austria, nach dem Gespräch hüllen sich beide eher in Schweigen.

Am 24. Mai ist Kronsteiner als Sportdirektor beurlaubt, Polster bestätigt einen diesbezüglichen Kurier-Artikel. Mit einem Derby, in dem die Austria mit 1:0 gewinnt und ihr Goalie Didulica den Rapidler Lawaree schwer verletzt, geht im Prater-Stadion die Meisterschaft zu Ende. Bundesliga-Präsident Stronach überreicht dem Rapid-Kapitän Steffen Hofmann den Meisterteller. "Es war für ihn nie ein Thema, das nicht zu tun", sagt Austria-Klubmanager Kraetschmer, "das zeigt von Größe."

In einem Interview mit der Kleinen Zeitung (29. Mai) schließt Stronach einen voreiligen Rückzug von der Austria aus. "Wir haben hier ein System drinnen, hier geht es um einen langfristigen Aufbau." Nach dem Cupfinale (1. Juni), das die Austria 3:1 gewinnt, bestätigt Polster seine von News schon kolportierte Kündigung. "Wir haben das Dienstverhältnis aufgelöst. Es ist wahrscheinlich für beide Seiten die beste Lösung." Stronach hofft, "dass wir wie Gentlemen alles über die Bühne bringen", und Polster ist "traurig, dass ich nur so kurz bei der Austria-Familie bleiben durfte". Im Juli wird er die Austria klagen. Kraetschmer tritt "aus der zweiten in die erste Reihe. Es tut mir Leid, aber zwischen Polster und Stronach war nichts mehr zu kitten."

Austria-Präsident Peter Langer berichtet Ende Juni von neuen Austria-Spielregeln in Form einer Geschäftsordnung, auch Frank Stronach habe akzeptiert. "Er hat das Papier unterzeichnet", sagt Langer. "Frank hat einen Lernprozess durchgemacht." Zum Beispiel müsse künftig ein Trainerwechsel durch Stronach vorher mit dem Verein besprochen werden. Das Trainerduo Stöger/Schinkels kündigt für die neue Saison "offensive Spielweise" an, zwölf Neuzugängen stehen acht Abgänge gegenüber. Stöger: "Wir werden nicht mehr jedes Jahr elf Spieler tauschen, sondern wir planen längerfristig."

Am 15. Juli bringt die APA ein Interview mit Stronach, der freut sich über den Red-Bull-Einstieg in Salzburg ("Konkurrenz belebt das Geschäft, das hebt das Niveau"). Die Zusammenarbeit Magnas mit der Austria habe "kein Ablaufdatum. Unser Ziel war es immer, mit der Austria Meister zu werden und in Europa an der Spitze mitzuspielen. Ich werde diesen Weg auch weiterhin konsequent verfolgen und denke überhaupt nicht daran, mich davon abbringen zu lassen. Ich engagiere mich aus einer sozialökonomischen und gesellschaftlichen Verpflichtung heraus. Wir als Magna haben eine Verantwortung, die uns nicht launisch und willkürlich handeln lässt".

Ende Juli stehen sowohl Austria Magna als auch die Austria Amateure (in der Red Zac Liga) als Tabellenführer da, Stöger kann sich über den besten Saisonstart der Austria seit 1996 freuen. Die Austria gratuliert Rapid "trotz aller Rivalität" (Kraetschmer) zum Einzug in die Champions League. Eine Bundesliga-Präsidentenkonferenz einigt sich Ende September auf Hans Krankl als ehemaligen und Josef Hickersberger als neuen Teamchef. ÖFB-Präsident Friedrich Stickler kann nur nachhüpfen, der Termin ist eher ungünstig, Hickersberger weilt mit Rapid zwecks Champions League gerade in Turin. Geredet, verhandelt und unterschrieben wird später.

Die Austria blamiert sich international, bleibt gegen Viking Stavanger in der ersten UEFA-Cup-Hauptrunde auf der Strecke. Stöger geht dennoch "nicht mit der Befürchtung schlafen, dass ich beim Aufstehen nicht mehr Austria-Trainer bin". Am 11. November beginnt der Fasching, und Austria-Kuratoriumsmitglied Helmut Denk hat für die Generalversammlung (24. 11.) einen Misstrauensantrag gegen die Klubführung eingebracht. In der Südstadt sind auch beim 1:0 der Austria über Admira (19. November) Transparente ("Magna raus", "Freiheit für Austria") zu sehen. Zwei Tage später kündigt Stronach seinen Ausstieg bei der Austria an, weitere drei Tage später haut er bei der Bundesliga den Hut drauf. Getrost kann man vom Ende einer Ära reden und nun auch vom . . .

. . . Ende der Serie. (Fritz Neumann - DER STANDARD PRINTAUSGABE 5.12. 2005)

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