Raich mit Sieg vor Augen out

7. Dezember 2005, 15:05
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Der nach dem erstem Durchgang des Slaloms von Beaver Creek führende Tiroler im zweiten Lauf ausgeschieden - Sieg an Giorgio Rocca - Matt Vierter

Beaver Creek - Auch im abschließenden Slalom der Mini-WM in Beaver Creek haben Österreichs Herren keinen Podestplatz geschafft. Halbzeit-Leader Benjamin Raich wurde im Finale mit Zwischenbestzeit vom Schneesturm verblasen. So führte der Italiener Giorgio Rocca, im Vorjahr hier noch Zweiter hinter Raich, ein Sensations-Podium vor den beiden Außenseitern Stephane Tissot (FRA) und Ted Ligety (USA) an. Mario Matt musste sich Platz vier mit gleich zwei weiteren Läufern teilen.

Das Ergebnis sagte viel über dieses Rennen, welches wie schon jene der vergangenen Tage an der Grenze der Regularität ausgetragen wurde. Hatte es im ersten Durchgang eine wahre Ausfallorgie und schweren Stürze (auch Rainer Schönfelder und Manfred Pranger waren betroffen) gegeben, sorgte im zweiten Durchgang Schneefall und Wind für schwierigste Bedingungen.

Stunde der Außenseiter

Damit schlug die Stunde der Außenseiter, Tissot (Startnummer 35), Ligety (27) oder der wie Matt viertplatzierte Europacupsieger Kjetil Jansrud (33) aus Norwegen. Österreich, das vier Läufer in den Top-6 der Weltrangliste hat, brachte keinen Läufer aufs Podium. Am Ende kamen mit Rocca und Matt von den besten sieben Slalomläufern in der Weltrangliste überhaupt nur zwei in die Wertung.

Raich hatte nach dem ersten Lauf 0,16 Sekunden vor Rocca und 0,32 vor Matt aber schon mit über einer Sekunde vor dem Rest des Feldes geführt. Je mehr sich der zweite Lauf dem Ende zuneigte, desto extremer wurden aber die Bedingungen. Matt brachte selbst 1,92 Sekunden bei der letzten Zwischenzeit nicht ins Ziel, Raich lag 0,37 vor Rocca, als er im Schneesturm die Orientierung verlor und kurz vor dem Ziel ausschied. Als Einziger war Reinfried Herbst happy. Der Salzburger hatte sich als Mittrainierer im Herbst für das ÖSV-Team wieder qualifiziert und durfte mit Platz zwölf mehr als zufrieden sein.

Matt konnte nicht glauben, bei der Zwischenzeit so weit vorne gewesen zu sein. "Ich hatte einfach zu viele Fehler. Ich bin im Zweiten mit einem anderen Ski gefahren. Aber angesichts der vielen Fehler ist Platz vier in Ordnung, ich gehöre nach wie vor zu den Schnellsten."

Und dann kam die Bö

"Ich bin in diese Bö gekommen und habe plötzlich nichts mehr gesehen, deshalb habe ich eingefädelt", erzählte der sichtlich enttäuschte Vorjahressieger Raich. "Schade, denn bis dahin war die Fahrt wirklich okay, meinte der Pitztaler, der im Vorjahr hier mit 189 Punkten noch der erfolgreichste Punktehamsterer gewesen war, in dieser Saison aber schon drei Ausfälle in sieben Rennen auf dem Konto hat.

Erfolgreichster Punktehamsterer in Beaver war heuer Daron Rahlves. Der Routinier schaffte mit nur drei Starts 225 Zähler. Als Weltcup-Leader kommt aber Aksel Lund Svindal nach Europa. Der junge Norweger wurde auch im Slalom erstaunlicher Neunter und führt nun wieder zehn Punkte vor Rahlves.

Stimmung war schon besser

Im ÖSV-Lager war die Stimmung angesichts des verlorenen Sieges und nur drei von elf Österreichern in der Ergebnisliste natürlich getrübt. ÖSV-Herrenchef Toni Giger, der schon die die drei Rennen davor als "grenzwertig" bezeichnet hatte, war jedenfalls erstmals wirklich fuchsteufelswild.

Zudem drückten die schweren Stürze auf die Stimmung. Schönfelder kam mit Abschürfungen im Gesicht und einem Brummschädel davon, bei Pranger bestätigte sich der Verdacht auf Daumenbruch glücklicherweise nicht. In der Steadman-Hawkins-Klinik von Vail wurde lediglich ein ausgerenkter Daumen eingerichtet. "Der Ärger über das Ausscheiden ist größer als der Schmerz", sagte der Tiroler. (APA)

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    Giorgio Rocca setzte sich nach dem Ausfall Raichs letztlich deutlich vor Überraschungs-Mann Stephane Tissot durch.

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