Volkstheater wird "Führerzimmer" zurückbauen

4. Dezember 2005, 16:41
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Entscheidung nach Urgenzen des Bundesdenkmalamtes - Verband der Auslandspresse zeichnet Schottenberg aber für "coragiertes Handeln" aus

Wien - Im Wiener Volkstheater wird das abgetragene "Führerzimmer" wieder hergestellt. Das hätten Direktor Michael Schottenberg und die Stiftung Volkstheater am Freitag nach Urgenzen des Bundesdenkmalamts entschieden, berichtet das Nachrichtenmagazin "profil" in seiner am Montag erscheinenden Ausgabe. "Wir werden jetzt in dem weißen, sauberen Raum wieder die Wände abschlagen lassen, damit die Tafeln hineinpassen", wird Schottenberg in "profil" zitiert.

Das Bundesdenkmalamt habe dem Volkstheater in einem Brief vom 23. November mitgeteilt, dass es "derzeit auf das zur Verfügung stehende rechtliche Instrumentarium" verzichte, zitiert "profil" in einer Aussendung das Schreiben: "Eine weitere Verschleppung kann aber nicht akzeptiert werden. Das Bundesdenkmalamt merkt sich eine Frist von 3 Wochen ab Zustellung dieses Schreibens für den Beginn der Wiederherstellung vor." Der wiederhergestellte Raum soll nun als Bühne künstlerischer Auseinandersetzung für das Publikum geöffnet werden.

Verband der Auslandspresse zeichnet Schottenberg aber für sein "coragiertes Handeln" aus

Am Montag (15.30 Uhr) erhält Schottenberg im Volkstheater vom Verband der Auslandspresse in Wien "für couragiertes Handeln in der Realsatire 'Führerzimmer'" den erstmals verliehenen "Herzmanovsky-Preis". Mit ihm sollen künftig Preisträger geehrt werden, "die sich couragiert verhalten". "Nicht zuletzt animierte uns dazu das öffentliche Insistieren des Amtes für Denkmalschutz, den 1938 für Adolf Hitlers möglichen Besuch eingerichteten Raum im Volkstheater zu erhalten und wiederherstellen zu lassen", heißt es dazu in der Einladung des Verbandes, "Im propagierten Gedenkjahr musste diese Auseinandersetzung Berichterstatter für ausländische Medien interessieren und irritieren. Ohne in die juristische Auseinandersetzung eingreifen zu wollen, scheint da für die Auslandspresse 'der Amtsschimmel zu wiehern', was Erinnerungen weckt an Darstellungen und Satiren eines Fritz von Herzmanovsky-Orlando."

Abbau des "Führerzimmers" erfolgte "aus Gründen der Moral, der Ethik und des politischen Bewusstseins"

"Das ist Österreich" - Mit diesen Worten kommentierte Volkstheater-Direktor Michael Schottenberg in einer Ausendung am Sonntag die Vorgangsweise des Bundesdenkmalamts: Er habe die Holzvertäfelung des "Führerzimmers" "aus Gründen der Moral, der Ethik und des politischen Bewusstseins abbauen lassen". Die Entscheidung der Behörde "nehme ich zur Kenntnis und muss ihr Folge leisten." (APA)

Nachlese
Eine Holztäfelung mit Reflexwirkung
Kommentar der anderen von Jan Tabor
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