Anschlag auf obersten Richter gescheitert

6. Dezember 2005, 14:16
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Zwei Menschen verletzt - Attentäter getötet - Geplanter Angriff auf Sondertribunal in Bagdad - Richter in Saddam-Prozess zurückgetreten

Bagdad - Nur Stunden vor der Fortsetzung des Prozesses gegen Saddam Hussein am Montag hat der oberste Richter des Irak einen Mordanschlag unverletzt überlebt. Ein Selbstmordattentäter versuchte am Sonntag, mit seinem Wagen in das Haus von Midhat al-Mahmudi zu rasen. Das Fahrzeug wurde von einer Betonbarriere gestoppt und explodierte. Der Attentäter wurde getötet, zwei weitere Personen wurden nach Polizeiangaben verletzt.

Die Sicherheitskräfte deckten zudem einen Komplott sunnitischer Aufständischer auf, am Montag das Sondertribunal in Bagdad anzugreifen. Nach Angaben des Büros des nationalen Sicherheitsberaters Muwaffak al-Rubaije wollte die Gruppe Revolutionsbrigaden 1920 während der Sitzung Raketen auf das Gebäude in der Grünen Zone abfeuern, in dem der Prozess stattfindet. Ob die Gefahr ausgeräumt wurde, war zunächst unklar.

Keine Details über Festnahmen

Rubaijes Büro erklärte lediglich, der irakische Geheimdienst habe die Anschlagspläne aufgedeckt. Über Festnahmen wurde jedoch nichts bekannt. Das Sondertribunal tagt in in der ehemaligen Zentrale der Baath-Partei Saddam Husseins. Der Ex-Präsident stützte seine Macht vor allem auf die Minderheit der arabischen Sunniten, unter denen er deshalb bis heute viele Anhänger hat.

Richter trat zurück

Unterdessen ist einer der fünf Richter im Prozess gegen Saddam Hussein zurückgetreten und vor der Fortsetzung der Verhandlung am Montag ersetzt worden. Das teilte ein Gerichtssprecher, Rajid Juhi, am Sonntag der Nachrichtenagentur AP in Bagdad mit. Nach seinen Angaben entschloss sich der Richter zum Rücktritt, nachdem er erfuhr, das einer der Angeklagten an der Hinrichtung seines Bruders beteiligt gewesen sein könnte.

Weder der zurückgetretene noch der nachgerückte Richter wurden identifiziert. Das wurde aus Sicherheitsgründen in den Verfahrensregeln so festgelegt. Nur der Name des Vorsitzenden Richters, Risgar Mohammed Amin, wurde veröffentlicht.

Die Sitzung am Montag wird erst die dritte seit Prozessbeginn am 19. Oktober sein. Amin gewährte am 28. November eine einwöchige Verschiebung, damit der frühere Vizepräsident Taha Jassin Ramadan sich einen Ersatz für seinen vom Gericht berufenen Verteidiger suchen kann. Ramadan ist einer der sieben Mitangeklagten Saddam Husseins. (APA)

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    Saddam-Hussein-Wanduhr und andere Erinnerungsstücke in einem Antiquitätengeschäft in Bagdad. Am Sonntag scheiterte der Anschlag auf den Obersten Richter des Irak knapp; für den Tag der Fortsetzung des Gerichtsverfahrens planten Hussein-Anhänger einen Anschlag auf das Gebäude, in dem das Verfahren stattfindet.

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