BZÖ-Attacken via Inserat gegen SPÖ-Chefin

4. Dezember 2005, 18:50
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Klima zusehends frostiger: Schaunig will Kontakt zu Haider auf das Notwendigste beschränken - Landeshauptmann: "Strecke ihr die Hand aus"

Klagenfurt - Das Klima in der Kärntner Regierungskoalition zwischen BZÖ und SPÖ wird zusehends frostiger. Nachdem am Sonntag das BZÖ ganzseitige Inserate in den Kärntner Zeitungen gegen SPÖ-Vorsitzende Gaby Schaunig und deren Ehemann geschaltet hat, will diese den Kontakt zu Landeshauptmann Jörg Haider nun auf das Notwendigste beschränken. Seitens der Kärntner SPÖ gab es wütende Proteste gegen die Inseratenaktion. Haider meinte wiederum, er strecke Schaunig die Hand aus. BZÖ-Klubchef Kurt Scheuch sagte, wer austeile, müsse auch einstecken können.

Schaunigs Ehemann angepatzt

In dem Inserat geht es um jene Tonanlage, die von der Klagenfurter Niederlassung einer Firma, bei welcher der Ehemann Schaunigs als Prokurist beschäftigt ist, vor fünf Jahren an die Seebühne geliefert worden ist. Unter dem Titel "Seebühne: Schaunig-Kandut kritisiert - Ihr Mann kassiert!" wird über die Auftragsvergabe berichtet und darauf hingewiesen, dass die SPÖ-Chefin die Seebühne schließen wolle.

Die Optik sei fatal, heißt es in der Anzeige: "Wer im Glashaus sitzt, soll nicht mit Steinen werfen". Dazu wurde ein Bild des Ehepaares platziert und darin ein Faksimile aus dem Tonanlagen-Auftrag mit der Auftragssumme eingeschnitten.

Schaunig: "Letztklassige" Kampagne

Für Schaunig ist die Kampagne "letztklassig", es werde Klage eingereicht. Im Gespräch mit der APA meinte sie: "ich frage mich, wer als nächster drankommen wird, vielleicht wird man bald meinen Vater oder meine Mutter attackieren." Die Regierungsarbeit werde durch diese Aktion jedenfalls "nicht leichter", sagte die SPÖ-Chefin: "Haider will die Koalition sprengen, mit seinen Attacken auf meine Familie will er erreichen, dass wir die Zusammenarbeit aufkündigen und er sich dann als Opfer präsentieren kann."

Der Landeshauptmann "schlägt wie ein Ertrinkender um sich", sagte Schaunig, weil "er feststellen musste, dass mit mir gewisse Dinge nicht mehr funktionieren". So würde sie etwa nicht akzeptieren, dass öffentliche Gelder für "Eigenwerbung Haiders" verwendet würden. Dies sei ihrer Ansicht nach der Hauptgrund für die Vorgangsweise des BZÖ.

Haider wiederum sprach von einem "aufgelegten Elfmeter", zugleich beklagte er sich darüber, dass ihm Schaunig nicht einmal mehr die Hand geben würde. Haider in der "Kleinen Zeitung": "Ich strecke ihr die Hand aus. Wir brauchen keine Hassprediger."

SPÖ: "Schmutzkampagne"

Die Bezirksparteichefs der SPÖ verurteilten die Inserate als "Schmutzkampagne". Landesrat Reinhart Rohr attackierte Haider in einem Offenen Brief frontal. Haider scheine die Angst vor der neu formierten Kärntner SPÖ mit Gaby Schaunig im Nacken zu sitzen, meinte der Landesrat. Wörtlich heißt es: "Herr Dr. Haider, haben Sie doch den Mut, zu sagen, dass Sie den geschlossenen Arbeitsvertrag für Kärnten nicht mehr fortführen und deshalb aussteigen wollen. Verschonen sie Kärnten vor einem politischen Stil, der Anleihen an einer brutalen Diktatur nimmt und an deren Ende für Millionen Menschen Leid, Elend und Tod gestanden ist."

Einhellig betonten die Bezirkschefs, die SPÖ werde sich nicht mundtot machen lassen und "noch aufmerksamer kontrollieren, als dies schon bisher der Fall war". Der "letztklassige Versuch", einen Zwist in die SPÖ zu tragen und sie zur Aufkündigung der Koalition zu nötigen, werde nicht funktionieren.

BZÖ-Klubobmann Kurt Scheuch bezeichnete die Proteste als "Schaunig-Klagelied und weihnachtliches Adventkonzert des SPÖ Chores", der aber disharmonische Klänge aufweise. Solidaritätsadressen von allen Seiten seien immer Signal für einen "in ärgster Bedrängnis befindlichen Vorsitzenden", der kurz vor dem Rücktritt stehe, sagte Scheuch in einer Aussendung. Da die SPÖ die Koalition aber nicht aufkündigen wolle, handle es sich wohl um einen "Placebo-Schmerz", der sich in Grenzen halte. (APA)

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