In Serbien weiterhin Visa-Inserate von Schleppern

4. Dezember 2005, 18:49
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"Kurier" berichtet von einschlägigen Inseraten in Zeitung "HALO Oglasi", die "Schengen-Visa" für Frankreich, Schweden und Österreich anbieten

Wien - Laut Informationen, die der Tageszeitung "Kurier" vorliegen, werden in der Belgrader Zeitung "HALO Oglasi" nach wie vor "Schengen-Visa" für Länder wie "Frankreich", "Schweden" und "Österreich" feilgeboten. In dutzenden Inseraten werde eine "99-prozentige" Erfolgsgarantie geboten, berichtet der "Kurier" (Sonntagsausgabe).

Auch nach dem Auffliegen der Visa-Affäre an Österreichs Botschaft in Belgrad, so das Blatt, "inserieren in Serbien ansässige Schlepper munter weiter."

Machenschaften der Visa-Mafia

Die Machenschaften der Visa-Mafia seien nicht durch die Anstrengungen der Behörden ans Tageslicht gebracht worden, erklärte Helmut Edelmayr, ehemaliger SPÖ-Landtagsabgeordneter und nunmehriger Sprecher des Mauthausen Komitees. "Auslöser war eigentlich eine Mitarbeiterin, die ihren Neffen namens Zoran aus Serbien nach Österreich einladen wollte", erzählte Edelmayr laut "Kurier".

"Im Sommer 2001, wir saßen beim Heurigen am Kahlenberg, hat Zoran dann behauptet: ,Ich hätte mir das Visum in der österreichischen Botschaft in Belgrad kaufen können, dann hätte ich weniger Aufwand gehabt`." Er, Edelmayr, sei daraufhin zornig geworden: "Ich habe gesagt: Unsere Botschaften verscherbeln keine Visa, für solche Behauptungen musst du Beweise liefern."

Am 19. Juli 2001 bekam Edelmayr nach eigenen Angaben vom Neffen seiner Mitarbeiterin Kopien der Visa-Annoncen aus den Belgrader Zeitungen. Im Herbst bestätigen Autobus-Chauffeure, die regelmäßig zwischen Wien, Belgrad und Nis verkehren, dass "Visa leicht zu kaufen seien".

Gespräch mit Außenministerin Ferrero-Waldner im Mai 2002

Als Edelmayr im April 2002 in einer Ausgabe von "HALO Oglasi" erneut Visa-Inserate gefunden habe, habe er um einen Termin bei Außenministerin Benita Ferrero-Waldner gebeten. "Am 6. Mai 2002 habe ich ihr den gesamten Sachverhalt dargestellt", sagt Edelmayr, "im Juni hat sie mich angerufen und gesagt, es gab keine Verfehlungen. Für mich war die Sache vorerst erledigt."

Die Inserate erschienen weiter, Edelmayr habe auf eigene Faust recherchiert und mit EU-Abgeordneten gesprochen sowie einen Brief an die Staatsanwaltschaft gesandt. Erst nachdem im Oktober 2005 erneut Berichte über möglichen Visa-Betrug erschienen seien, sei er vom Untersuchungsrichter vorgeladen worden, dreieinhalb Jahre nach seinem ersten Besuch im Außenministerium, berichtet der "Kurier". (APA)

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    montage: derstandard.at
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