"Fehler im Ansatz" der Schwerarbeiterregelung

29. Dezember 2005, 09:40
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Nach Ansicht des Arbeitsmediziners Rüdiger könne nicht nur über die Belastung definiert werden, auch persönliche Konstitution sei relevant

Wien - Der Arbeitsmediziner Hugo Rüdiger hält die von der Politik ins Auge gefasste Schwerarbeiterregelung für einen "Fehler im Ansatz". Der Leiter der Klinischen Abteilung für Arbeitsmedizin am Wiener AKH verwies darauf, dass man Schwerarbeit nicht nur über die Belastung definieren könne. Man müsse auch erfassen, wie der jeweilige Mensch dadurch beansprucht wird. Die gleiche Belastung könne ein jüngerer oder körperlich starker Mensch leichter wegstecken als ein älterer oder schwächerer Mensch.

"Workability-Index"

Rüdiger schlägt nun konkret vor, dass jeder, der das wolle, mit 60 Jahren einen Pensionsantrag stellen sollte. Dann sollte von einem Arzt festgestellt werden, ob seine persönliche Belastungsfähigkeit so weit gesunken ist, dass er seine Tätigkeit nicht mehr ausüben kann. Wenn das der Fall ist, wäre eine Frühpension gerechtfertigt. Feststellbar wäre dies etwa mit dem so genannten "Workability-Index", der bereits Ende der 80er Jahre von einem finnischen Experten entwickelt wurde.

Nach Ansicht Rüdigers sollte die Prüfung immer auf die berufliche Belastung bezogen werden, in der die Person steht, und nicht allgemein auf den Arbeitsmarkt. Konkret meint der Arbeitsmediziner, dass es diesen Personen nicht zumutbar wäre, dann einen anderen Beruf auszuüben. "Ich kann nicht verlangen, dass ein ausgebildeter Baggerfahrer jetzt plötzlich den Hof kehren muss."

Gleichgewicht zwischen Belastung und individuellen Ressourcen

Bei der Beurteilung von Schwerarbeit müsse es ein Gleichgewicht zwischen der Belastung und den individuellen Ressourcen der Personen geben, betonte der Arbeitsmediziner. Deshalb sei es ein Fehler der Politik, Schwerarbeit nur von der Seite der Belastung her zu definieren.

Wenn man dies allerdings so mache, dann sei die Argumentation der Pensionsversicherungsanstalt nachvollziehbar, dass Schwerarbeit in jüngeren Jahren "geringen Einfluss auf Krankheitsneigung und Lebenserwartung" habe. Die PVA hatte so begründet, dass in ihrem Konzept 7,5 Jahre innerhalb der letzten 15 Jahre Schwerarbeit geleistet werden müssen und nicht mehr 15 Jahre innerhalb des gesamten Berufslebens. Im Durchschnitt habe ein 50-jähriger weniger Ressourcen als ein 25-jähriger, d.h. er könne die gleiche Belastung weniger gut verkraften, erklärte Rüdiger dazu. (APA)

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