E.ON-Chef warnt vor weltweiter Energieknappheit

21. Dezember 2005, 14:40
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Wulf Bernotat: Deutschland darauf nicht vorbereitet

Düsseldorf/Berlin - Der Chef des größten deutschen Energiekonzerns E.ON, Wulf Bernotat, hat vor einer weltweiten Energieknappheit gewarnt, auf die Deutschland nur unzureichend vorbereitet sei. In einem Interview der "Berliner Zeitung" erklärte der E.ON-Chef, der Weltenergieverbrauch steige rasant bei offenkundig begrenzten Ressourcen. Deutschland brauche dringend eine neue Energie-Agenda, "die über den Tag hinaus trägt". Dies müsse das Hauptthema des Energiegipfels sein, zu dem die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel die Versorger Anfang 2006 einladen will.

Verfügbarkeit von Öl und Gas

"Weltweit hat es in den letzten Jahren keinen wirklich nennenswerten Fund einer neuen Öl- oder Gaslagerstätte gegeben", sagte Bernotat. Damit sei die Verfügbarkeit von Öl und Gas nur noch konstant, während der Bedarf steige. Dies führe mittelfristig zur Verknappung von Energie, warnte der Eon-Chef. Bereits ab 2010 werde der Erdgasbedarf der Europäischen Union die aktuellen Liefermöglichkeiten übersteigen, ohne Gegenmaßnahmen drohe der Nachfrageüberhang bis 2020 auf 20 Prozent anzusteigen.

Politische Unterstützung

Bernotat kündigte an, sein Konzern werde fünf Milliarden Dollar investieren, um künftig im großen Stil Flüssiggas aus Iran und Qatar importieren zu können. Dazu seien eine Gasverflüssigungsanlage in der Golfregion und entsprechende Schiffstransportkapazitäten erforderlich, außerdem ein Regasifizierungsanlage, die E.ON in Wilhelmshaven bauen wolle. Auf diese Weise werde Deutschland weniger abhängig von Russland, dem weltweit größten Gasexporteur. Der E.ON- Chef setzt dabei auf politische Unterstützung der schwarz-roten Bundesregierung.

Bernotat begrüßte die Ankündigung von Kanzlerin Merkel, die Stromkonzerne zu Jahresbeginn zu einem Energiegipfel zu laden. Dabei müsse auch über Laufzeitverlängerungen für deutsche Kernkraftwerke gesprochen werden. Bernotat verwies auf Länder wie Frankreich, Schweden und die USA. Dort habe man die Reaktorlaufzeit auf bis zu 60 Jahre verlängert. (APA/dpa)

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